Die Sonne leuchtet allen
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow Queen« ein außerordent -liches Stück in einer ebenso außerordentlichen Inszenierung zu erleben gibt.
Abrahamsen, der dänische Komponist, bringt den riesigen Orchestergraben der Semperoper an den Rand der Kapazität mit seinem Aufgebot an Instrumenten. Allein schon sieben Pauken versammeln sich da in der Ecke, Keyboard und Akkordeon sitzen mit im Orchester, vielfache Bläser kommen hinzu, die auch mal zu Nebeninstrumenten wie Oboe d’amore oder Wagner-Tuba greifen. Die beiden Harfen müssen in die linke Proszeniumsloge ausgelagert werden, gegenüber ist ein Xylophon untergebracht, aus der Loge zwei Stockwerke darüber singen Frauenstimmen. Der Aufwand an Mitteln ist gewaltig, das Ergebnis, wie bei allen Komponisten, die gut zu instrumentieren verstehen, von hinreißender Feinheit. Wirklich laut wird es in dieser Oper nie, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Clemens Haustein
Einen «Kosaken» nannte Ludwig Geyer seinen offenbar äußerst lebhaften Stiefsohn Richard Wagner – und äußerte sich damit wohl aus einer Sympathie seiner Zeit heraus. Die Russen galten seit der Völkerschlacht bei Leipzig (sie fand ein halbes Jahr nach Wagners Geburt statt) als Befreier von der Knechtschaft unter Napoleon. Der Exotismus, der sich aus dem Auftauchen...
Christoph Willibald Glucks «Orfeo» ist auf den Opernbühnen selten zu erleben – erstaunlich genug, wo sich doch die Wirkmacht dieser ersten großen Reformoper aus Glucks Wiener Zeit bis heute erhalten hat. Zugunsten des durchkomponierten Dramas, in dem nichts die Handlung aufhalten durfte, hatte sich der Komponist von der Nummernoper mit ihrem starren Schema aus...
Männer sind einfach unersetzlich? Nun ja. Ob dem so ist oder nicht, liegt wohl in erster Linie an der Perspektive, aus der heraus man es betrachtet, also im Auge des oder der Betrachtenden. Die einen, zu denen vor allem Fans von Herbert Grönemeyer zählen, sagen so; die anderen, weit stärker einer evidenzbasierten Erkenntnis zugeneigt als dem Reich der blühenden...
