Unendlicher Reichtum
Jean-Baptiste Lullys 1674 in Paris uraufgeführte «Alceste» nimmt in der Geschichte der französischen Oper eine Schlüsselstellung ein. Es war die erste in der von Lully und seinem Librettisten Philippe Quinault erfundenen neuen Gattung der «in Musik gesetzten Tragödie», die mit dem antiken Vorbild in Konkurrenz trat. Von der «Alkestis» des Euripides ist freilich wenig übrig geblieben.
Hört man die jetzt von Stéphane Fuget in Zusammenarbeit mit der Opéra Royal de Versailles entstandene Neuaufnahme, so ist man überwältigt vom unvergleichlichen Reichtum der Musik, von der Vielfalt ihrer effektvollen, oft geradezu frivolen Handlung, hinter der das eigentliche Drama – das Schicksal Alcestes, die sich für ihren Mann opfert, aber von Herkules (Alcide) der Unterwelt wieder entrissen wird – fast verschwindet. Schon die Zeitgenossen, nicht zuletzt Jean Racine im Vorwort zu seiner gleichfalls 1674 erschienenen «Iphigénie», haben gegen die Einführung komischer Figuren und gegen das Spektakel der getanzten Divertissements als einer Entstellung des antiken Vorbilds protestiert. Vergeblich, wie der große Erfolg des bis 1757 immer wieder an der Pariser Opéra gespielten, auch in der französischen ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
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