Und immer wieder grüßt der Getränkeautomat
Wenn Regisseure ihre eigenen Inszenierungen erläutern, erfährt man zwar, was sie sich bei der Arbeit gedacht haben; allzu oft zeigt sich aber, dass sie die Gedanken nicht in Bilder übersetzen können. Es bleibt bei der abstrakten Deklaration. Kommt sängerisches oder schauspielerisches Unvermögen hinzu, ist die Katastrophe fast komplett. Fast. Repertoirestücke sind unverwüstlich, überstehen noch das kläglichste Scheitern. Handelt es sich hingegen um Uraufführungen, um äußerst selten gespielte oder total vergessene Werke, ist der Schaden immens, schlimmstenfalls irreparabel.
So geschehen am Staatstheater Darmstadt, das Felix Weingartners «Kain und Abel» aus den Tiefen der Archive ins Rampenlicht holte und gleich wieder versenkte. Der Komponist hatte seine 90-Minuten-Version der biblischen Urgeschichte 1914 uraufgeführt. Nach dem Weltkrieg konnte er drei weitere Opern präsentieren («Die Dorfschule», «Meister Andrea» und «Der Apostat»), kehrte aber zum alttestamentarischen Brudermord nicht mehr zurück, obwohl oder weil das Thema nach den entsetzlichen Völkerschlachten eigentlich nahegelegen hätte. Zeitlos ist es ohnehin. Diese Qualität des Theaters, über alle Epochen hinweg die conditi ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Volker Tarnow
Nur in den ersten paar Vorspieltakten hat die gute Seel’ noch Ruh’; danach hebt im Innern der gotischen Ruine lebhaftes Pilger- und Touristentreiben an, und von diesem Punkt an wird Wagners Musikdrama, eigentlich eines der am bedächtigsten atmenden der Bühnengeschichte, konsequent zerzappelt und zerdaddelt. «Sankt Parsifal» soll die zerbröckelnde Abtei laut...
Der Etat gäbe es her. Kelch, Speer, etwas rote Farbe für die Wunde, all das könnte sich das Landestheater Niederbayern schon leisten – auch wenn man naturgemäß klamm ist. Allein: Nichts davon ist zu sehen in diesem «Parsifal». Als Amfortas am Altar steht und das verdeckende Tuch wegzieht, ist da: nichts. So entzückt die Ritter auch die Leerstelle betrachten und ihr...
Irgendwo im Weltall, sagen wir, abends um halb acht. Ein Raumschiff trudelt durch die leere Weite (oder weite Leere?), und das Einzige, was die Insassen zu beglücken vermag, ist Musik. Musik von Mozart. Sie ist es, die Trost spendet, die dem Vakuum des Universums und der Seelen noch jene «Fülle» verleiht, von der Charles Taylor in seinem Opus magnum «Ein säkulares...
