Unbarmherzige Liebe

Marie Lys betört als Solistin in kaum bekannten Kantaten von Händel

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Man hört es und muss an Rilke denken: «Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang» – so steht es geschrieben in der «Ersten Duineser Elegie». Auch die Übermacht der Liebe vermag diesen Umschlag zu bewerkstelligen, vor allem dann, wenn sich Amor, der dafür zuständige Gott, einmischt und die Herzen bricht. Genau so geschieht es auch in der Kantate «Crudel tiranno amor» von Georg Friedrich Händel, gleich in der Auftaktarie.

Marie Lys singt sie, vom Orchestre de l’Opéra Royal zartfühlend begleitet, mit einer Inbrunst, die jeglichen Zweifel an der Katastrophe suspendiert – intensiv, virtuos, mit einem gleichermaßen blühenden wie glühenden Sopran, so als gäbe es aus diesem Dilemma selbst in der fernen Zukunft keinen Ausweg mehr. Und doch glimmt Hoffnung, leise, aber eindringlich. In der zweiten Arie «O dolce mia speranza» blitzt sie auf, und so ganz anders, lieblicher, als in den Rätseln der Eisprinzessin Turandot.

«Inexorable Amour», lautet der Titel des Albums: Unbarmherzige Liebe. Und schon das Cover lässt hier wenig Gutes erwarten. Um den schlanken Hals der französischen Sopranistin schlingt sich, von Farnkräutern umflort, eine (hoffentlich gezähmte, zumindest zahnlose) ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 56
von Jan Verheyen

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