Überwiegend glücklich
In Stuttgart rauscht der Sommer seinem Ende entgegen. Hoch blaut der Himmel, die Temperaturen verlieren ihre brachiale Kraft. Am Rande des Kessels, im Süden der Stadt, steht eine wahre Villa Kunterbunt. In diesem Haus aus den 1930er-Jahren wohnt Helene Schneiderman, Kammersängerin, Ehrenmitglied der Staatsoper Stuttgart, mit ihrem Mann, dem Grafiker und Künstler Michael Flamme. Auf dem Wohnzimmertisch liegen in einem Plastikbeutel eine mindestens 30 Zentimeter lange Stahlstange, dazu ein paar monströse Schrauben. Neulich aus ihrem linken Bein entfernt.
Souvenir eines Autounfalls vor anderthalb Jahren. Noch ins Krankenhaus schickte damals der Freund und Regisseur Jossi Wieler angesichts einer verabredeten Monteverdi-Produktion die Nachricht: «Ich inszeniere Dich auch im Rollstuhl.»
Mit Barrie Kosky probt Schneiderman zu dieser Zeit in Paris Offenbachs Opéra-bouffe «Les Brigandes». Ihre Rolle der Herzogin ist fein, aber klein. Deswegen erwischt man sie in einer probenfreien Woche zuhause. Kosky hat beim Opé-ra-Intendanten Alexander Neef auf ihrem Engagement bestanden – er weiß, jede exzellent besetzte Nebenrolle hebt die Aufführung. Und hat heimlich ihren Part ausgeweitet. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Götz Thieme
Extraordinär
Im Grunde hatte sie keine Wahl. Beide Eltern waren Künstler, der Vater Opernregisseur, die Mutter Sängerin. Anna Prohaska folgte ihren Spuren und traf damit eine goldrichtige Entscheidung. Doch nicht die großen Partien sind die Domäne dieser Ausnahmekünstlerin, sondern ausgesuchte Rollenporträts und klug ersonnene Konzeptalben. Auf beiden Gebieten ist...
Frau Teige, wie ist es, Teil der Bayreuther Kult-Crew im «Tannhäuser» zu sein?
Ich glaube, das ist wohl nicht nur die gegenwärtig populärste, sondern zugleich die beste Produktion, die derzeit in Bayreuth läuft. Und sie wird Jahr für Jahr weiterentwickelt. Als ich 2023 erstmals dabei war und die Proben starteten, hatte ich großen Respekt davor. Das übte Druck aus....
Das Wort prangt in großen Leuchtbuchstaben auf der Rückwand des zweistöckigen, aus farbigen Leuchtkästen gefügten Kubus: «Innocence». Für die deutsche Premiere der gleichnamigen Oper von Kaija Saariaho hat Bühnenbildnerin Ines Nadler diesen Würfel auf die Bühne des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier platziert. Zehn Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer...
