Der Duft von Freiheit
Unter Mozarts Da-Ponte-Opern gibt der «Don Giovanni» die größten Rätsel auf. Schon die Bezeichnung Dramma giocoso evoziert jene gespannte Ambivalenz, zwischen der das Stück quasi in der Luft zu hängen scheint. Andererseits bietet die Stellung zwischen Komödien-Himmel und Drama-Hölle ausreichend Raum für exzessive Experimente. Bereits in den 1980er-Jahren verlegte Peter Sellars die Geschichte des nimmersatten Verführers in das Harlem der Gegenwart: ein Kniff, der das Personal näher an heutige Lebenswelten heranrückte.
Der erratischen Ferne der Titelfigur konnte das jedoch nichts anhaben. Obwohl diese noch heute von dämonisierenden romantischen Lesarten geprägt ist, wird Don Giovanni in aktuellen Inszenierungen wahlweise als Leerstelle (und damit als Spiegel für das Begehren der anderen) oder als triebgesteuerter Normalo ohne besondere Reize gezeigt.
Im Programmheft zur Kölner Neuproduktion ist nun zu lesen, Cecilia Ligorio würde den Mythos «auf eine heutige Art und Weise aus weiblicher Sicht» hinterfragen. Bei dieser Regisseurin ist Don Giovanni ein äußerst attraktiver Mann: sportlich, charmant, schlagfertig. Ein Libertin, schillernd und gefährlich anmaßend wie einst John Malkovich ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Regine Müller
Ausnahmetalent
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