Wüstenritt
In der Wüste verstummt die Zivilisation. Nirgendwo ist man so gottverlassen – und Gott zugleich so nah. Eine mystische, todbringende Weite, die jene anzieht, die in der Enge der Welt keinen Platz finden. Für ihre Kammeroper «Song from the Uproar» ließ sich die US-amerikanische Komponistin Missy Mazzoli von der Lebensgeschichte der Wüstenreisenden Isabelle Eberhardt inspirieren. Ganz allein ritt die Schweizer Entdeckerin gegen Ende des 19.
Jahrhunderts auf einem Araberhengst durch die algerische Sahara, lebte mit Beduinen, konvertierte zum Islam, überlebte ein Attentat und kam 27-jährig in einer Sturzflut ums Leben. Das Kammerstück von 2012 destilliert aus diesen Stationen eine intime musikalische Zustandsbeschreibung, die einen tiefen Blick in ein gequältes, freiheitsdurstiges Herz wirft.
«I give myself to noone. I will pick my own song», singt sie: «Ich gebe mich niemandem hin. Ich werde mein eigenes Lied wählen». Isabelles Lied ist ein einsames, denn der Preis für Selbst -bestimmung – damals wie heute – ist hoch. Momenthaften Trost findet sie darin, ihr endliches Leben an der Unvergänglichkeit von Sand und Himmel zu messen: «Hier, wo Fußabdrücke Gräber auslöschen, sind diese ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Anna Schors
Nicht wenige Opernkomponisten (und keineswegs nur diejenigen, die lediglich eines geschrieben haben, wie Beethoven) werden auf ein einzelnes Werk reduziert. Bei Carl Maria von Weber etwa denkt jeder sofort an den «Freischütz». «Oberon», «Euryanthe» und «Silvana» hingegen fristen ein trauriges Schattendasein. Camille Saint-Saëns wird wohl noch in 100 Jahren als...
Thomas Mann bezeichnete sie als «wesenlos und allmächtig», Hugo von Hofmannsthal legte seiner Feldmarschallin von Werdenberg die Worte in den Mund, sie sei ein «sonderbar Ding». Unter dem Strich ist die Zeit vermutlich beides, und als hätte er dies schon Jahrhunderte vor Mann und Hofmannsthal geahnt, wenn nicht gewusst, überließ William Shakespeare ihr gleich einen...
Leere Quinten, das wissen wir aus dem letzten Lied von Schuberts «Winterreise», verheißen wenig Gutes. Unheil naht, nicht selten der Tod. So ist es auch zu Beginn des vierten Akts von Verdis «Otello». Desdemona schleicht, von Emilias Frage «Era più calmo?» nur vage berührt, wie somnambul durch ihr Schlafgemach, und kaum hat das Englischhorn seinen elegischen Gesang...
