Überschwemmt
Drei Frauen. Vieles trennt sie, die Zeit, der Ort, das Handlungsmuster. Eines aber ist verbindend. Sie alle sind auserwählt: gottgesandte, gottesnahe Gestalten. Judith, die Holofernes erschlägt, um ihr bedrohtes Volk zu retten; Jeanne d’Arc, die erst Frankreichs Truppen gegen England anführt und dann auf dem Scheiterhaufen von Rouen verglüht; schließlich die namenlose, himmlische Jungfrau. Die Oper Frankfurt ehrt sie in zwei Produktionen, deren Geist nicht unterschiedlicher sein könnte.
Àlex Ollé, Direktionsmitglied der katalanischen Künstlertruppe La Fura dels Baus, spannt im Großen Haus Honeggers dramatisches Oratorium «Jeanne d’Arc au bûcher» auf einen Text von Paul Claudel mit Debussys Poème lyrique «La damoiselle élue» nach Versen Dante Gabriel Rosettis zusammen. Letzteres fungiert als Prolog. Zartgesponnene Klangfäden deuten an, in welchen Sphären die Titelheldin lebt. Über den Wolken lehnt sie am goldenen Geländer, wehmütig zur Erde blickend, wo sie ihren (noch) lebenden Geliebten wähnt. Nur ein Begehren hat sie: Möge er zu ihr gelangen. Alfons Flores’ Bühnenbild ist dezentes Dekor, ahnungsreiches Abbild einer morganatischen Szene, die von Elizabeth Reiter (La damoiselle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Elf Jahre leitete Dagmar Schlingmann als Intendantin die Geschicke des Saarländischen Staatstheaters, eine überdurchschnittlich lange Zeitspanne für Häuser jeder Größenordnung, Indiz zudem für eine erfolgreiche Tätigkeit – mit guter Publikumsresonanz, was angesichts der ewigen Finanznöte im kleinsten deutschen Flächenbundesland nicht unerheblich ist. Als...
Ein dunkles Summen von Saiten, ein geheimes Wühlen aus dem Schlagzeug, mehr ist da anfangs nicht. Klang, der sich vorantastet. Der Chor spuckt das Wort «dust» aus, Konsonanten zischen: In einem schlichten Saal beobachten Höflinge an langen Tafeln die Auseinandersetzung zwischen Hamlet und dem frisch vermählten Königspaar. Es wird getrunken, zu essen sieht man...
Am Anfang ist schon alles vorbei: Das Personal von Aribert Reimanns «Gespenstersonate» nach August Strindberg liegt in der neuen Produktion der Staatsoper in der Schiller-Theater-Werkstatt am Boden. Bis ein junger Mann hereinstürzt, der Student Arkenholz – nun regen sich die Toten, raffen ihre alten Rollen zusammen, um sie noch einmal zu spielen.
Otto Katzameier,...
