Trunkene Nüchternheit
Die Lieder Gabriel Faurés haben es, wie die französische Liedkunst insgesamt, außerhalb Frankreichs seit jeher schwer – mit Ausnahme Englands, wo zuletzt, geschart um die beiden Pianisten Graham Johnson und Malcolm Martineau, mit einer Vielzahl von Sängerinnen und Sängern auch die beiden noch immer lieferbaren Gesamtaufnahmen entstanden. Die neue Einspielung durch Cyrille Dubois und seinen Begleiter Tristan Raës geht andere, eigene Wege, weil hier erstmals ein einziger Sänger und dazu noch ein Tenor alle 103 überlieferten Fauré-Lieder interpretiert.
Traditionell war auch in Frankreich der Liedgesang – mit historisch herausragenden Interpreten wie Charles Panzéra, Pierre Bernac und Gérard Souzay – seit jeher eine Domäne der dunkleren, gedeckteren Baritonstimmen. Dubois dagegen, der in der Oper vor allem als Mozart-Sänger Erfolge feierte, besitzt einen hohen Tenor; er agiert mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die im Einsatz des Falsetts oft an einen Haute-Contre (den hohen französischen Tenor der Barockoper), ja sogar an das transsexuelle Timbre eines Altus erinnert. Als Muttersprachler hat er keine Probleme mit den Tücken der französischen Prosodie; seine schlank geführte, ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 42
von Uwe Schweikert
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Ein Palast im fernen Morgenland, mit einem älteren Herrscher und einer jungen Sklavin; ein Gärtner, der die Schöne mit ihrem verschollen geglaubten Liebhaber zusammenführt; eine gescheiterte Flucht, unerwartete Wendungen und ein glückliches Ende: Unweigerlich denkt man da an Wolfgang Amadeus Mozarts «Entführung aus dem Serail». Aber auch Gioachino Rossini vertonte...
