Trostlos, aber mit Groove
Als Ali in Brüssel ankommt, hat niemand auf ihn gewartet. Er ist einer von vielen sogenannten «unbegleiteten Minderjährigen». Und dann auch noch aus Somalia. Das sind die, die man so schlecht abschieben könne, verkündet eine zynische Europa-Freiheitsstatuen-Chimäre in einer der stärksten Szenen des Abends. Raphaële Green singt sie mit warmem Mezzo. Alis Geschichte ist singulär, aber kein Einzelfall. Während die Musik ein Versprechen auf ein Happy End zuflüstert, sagt eine Einblendung auf der Bühne etwas anderes. Ein großer Teil der Asylanträge wird abgelehnt.
Das Publikum erfährt nicht, ob und wie Ali in der belgischen Gesellschaft ankommt. Aber es erfährt ein bisschen mehr darüber, wer ein «Ali» sein kann.
Für das Théâtre La Monnaie geht die Rechnung auf: Neue Stoffe locken neues Publikum an. Selbst bei der vorerst letzten Vorstellung ist die Hütte voll. Und solch eine Diversität erlebt man in der Oper selten, auch wenn das Wort so aufgeladen ist, dass es rechts wie links zerrissen wird. Das Libretto stammt vom spanischen Regisseur Ricard Soler Mallol und von Ali Abdi Omar, dessen Vornamen Titel und Hauptfigur tragen. Der nicht-fiktive Ali zeigt sich allerdings nicht in der ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Anna Chernomordik
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Vom «Goldenen Hahn» zum «Alten Schlachthof» kann man die älteste deutsche Straßenbahn nehmen, die noch nach einem regulären Fahrplan verkehrt. Sie hat ihre Streckenführung unlängst bis zum Salztor verlängert. Dort wurde im ehemaligen Restaurant Goldener Hahn bis vor kurzem Theater gespielt, seit April 2025 dient der komfortabel umgebaute «Alte Schlachthof» als...
Alice fällt. In der langen Eröffnungsszene wird vom Schnürboden eine Artistin als ihr Double herabgelassen, die in Zeitlupe mal kopfüber, mal kopfunter mit Armen und Beinen Halt und sich der Schwerkraft zu widersetzen sucht. Vergeblich. Dazu entwickelt sich im Graben, aus unheimlich tiefen Schlagzeugklängen, bald eines jener quecksilbrigen, glitzernden Klangbilder,...
