Trostlos, aber mit Groove
Als Ali in Brüssel ankommt, hat niemand auf ihn gewartet. Er ist einer von vielen sogenannten «unbegleiteten Minderjährigen». Und dann auch noch aus Somalia. Das sind die, die man so schlecht abschieben könne, verkündet eine zynische Europa-Freiheitsstatuen-Chimäre in einer der stärksten Szenen des Abends. Raphaële Green singt sie mit warmem Mezzo. Alis Geschichte ist singulär, aber kein Einzelfall. Während die Musik ein Versprechen auf ein Happy End zuflüstert, sagt eine Einblendung auf der Bühne etwas anderes. Ein großer Teil der Asylanträge wird abgelehnt.
Das Publikum erfährt nicht, ob und wie Ali in der belgischen Gesellschaft ankommt. Aber es erfährt ein bisschen mehr darüber, wer ein «Ali» sein kann.
Für das Théâtre La Monnaie geht die Rechnung auf: Neue Stoffe locken neues Publikum an. Selbst bei der vorerst letzten Vorstellung ist die Hütte voll. Und solch eine Diversität erlebt man in der Oper selten, auch wenn das Wort so aufgeladen ist, dass es rechts wie links zerrissen wird. Das Libretto stammt vom spanischen Regisseur Ricard Soler Mallol und von Ali Abdi Omar, dessen Vornamen Titel und Hauptfigur tragen. Der nicht-fiktive Ali zeigt sich allerdings nicht in der ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Anna Chernomordik
Seine beiden bedeutendsten, für Wien entstandenen italienischen Reformopern «Orfeo ed Euridice» (1762) und «Alceste» (1769) hat Gluck 1774 respektive 1776 für Paris revidiert. Während die französische «Alceste» die Urfassung gänzlich von der Bühne verdrängte, führt umgekehrt der «Orphée» nur ein Schattendasein in der Aufführungsgeschichte dieses Werks. Obwohl Gluck...
Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam. Der wesentliche...
Jubilare
Nach ersten Erfahrungen in der Zarzuela-Truppe seines Vaters debütierte Plácido Domingo, der am 21. Januar seinen 85. Geburtstag feiert (über sein tatsächliches Geburtsjahr gibt es gleichwohl unterschiedliche Angaben), als 20-Jähriger in Mexico City als Alfredo. Ein Jahr später, 1962, wurde er Mitglied der Oper in Tel Aviv, dort blieb er drei Spielzeiten,...
