Traurige Tropen

US-amerikanische Mythen und wie man damit musikalisch-szenisch verfahren kann: «Marilyn Forever» von Gavin Bryars in Braunschweig, Charles Wuorinens «Brokeback Montain» in Erfurt

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Die Botschaft ist eindeutig: «Beautiful, beautiful, beautiful!», singen sechs elegant gekleidete Herren mit Fliege und Hosenträger. Wie die Geier umkreisen sie eine Frau, die an einem grell beleuchteten Schminktisch sitzt und weint. Ihr ikonisches Konterfei? Die platinblonde, in voluminösen Wellen gestylte Bobfrisur und ein knallroter Kussmund lassen keine Zweifel zu: Es handelt sich um Hollywood-Legende Marilyn Monroe, die dieses Jahr 100 geworden wäre.

Die Bewunderung des smarten Herren-Sextetts schlägt schnell in Übergriffigkeit um: Sabbernd beschnüffeln und betasten sie die Ärmste, wühlen sich durch die vielen Schichten ihres Kleids, während sich das Opfer der Begierde ängstlich auf dem Boden krümmt: Everybody wants a piece of Marilyn.

Die 2013 entstandene Kammeroper «Marilyn Forever» des britischen Komponisten Gavin Bryars widmet sich der widersprüchlichen Beziehung zwischen Marilyn Monroe und der Öffentlichkeit, von der sie einerseits zur Göttin idealisiert und andererseits aufs Schlimmste missbraucht wird. «Sometimes I feel unreal», beklagt sich Marilyn, die im Laufe des etwa 60-minütigen Stücks im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters mehrere Outfit-Wechsel ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Anna Schors

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