Traumata und Liebesträume
Wunder gibt es immer wieder. Auch und gerade in diesem dreiaktigen Dramma per music a, das Johannes Brahms nicht zu Unrecht als «Wunderwerk» bezeichnete und das ein gerüttelt Maß an Heroik besitzt. Mozarts «Idomeneo» steht, in seiner brüchigen Erhabenheit, für den erschütternden Protest gegen jede Form von Anpassung an das Machbare, «gegen die Idolatrie des rundum Geglückten» (Ivan Nagel). Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass diese Seria-Oper in D-Dur beginnt und in derselben Tonart endet.
Mag es ein neues Königspaar geben, der Krieg bleibt allgegenwärtig, und er hat die Seelen aller Menschen traumatisiert. Hoffnung gedeiht hier kaum oder gar nicht. Dystopie hingegen schon.
Philipp Westerbarkei lässt daran in seiner Grazer Inszenierung von Beginn an keinen Zweifel. Auf Tatjana Ivschinas, von Sebastian Alphons meist dunkel ausgeleuchteter Bühne steht ein Koloss aus angerostetem Stahl, ein mächtiger, abweisender Monolith, den nur die Götter (oder in diesem Fall: die Technik des Hauses) verschieben können. Mal ist er (Klage)Mauer, mal Schiffsbug, mal Hafenkai (das Stück spielt auf der Insel Kreta), mal Trenn-, mal Exekutionswand. Und wenn Ilia, der Ekaterina Solunya einen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Die Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» am 12. März 1857 im venezianischen Teatro La Fenice war, zumindest im Urteil ihres Schöpfers, ein «Fiasko». Das Stück enthielt, anders als die drei vorausgegangenen Meisterwerke «Rigoletto», «Il trovatore» und «La traviata», keine eingängigen, populären Melodien, war von düsterer Stimmung, zudem durch eine schwer...
Jahrzehntelang galt Johann Adolf Hasse als einer der wichtigsten Komponisten jenes Operntyps, den die Musikgeschichtsschreibung in der Rückschau summarisch Opera seria genannt hat. Hasse war zwar an den Dresdner Hof gebunden, besaß aber Freiheiten, die es ihm erlaubten, attraktive Kompositionsaufträge zahlreicher bedeutender Theater anzunehmen. Seine Opern waren...
Am Ende dann noch die Taube. Sie hört gar nicht mehr auf zu flattern, und für Ironiesignale ist es schon zu spät: Susanne Kennedys «Parsifal»-Inszenierung an der flämischen Oper ist längst in reinen, irgendwie spirituellen Kitsch abgebogen. Der neue Gralskönig bekommt, lächelnd, eine Himmelfahrt, sein Vorgänger darf sich endlich zum Sterben hinlegen. Die...
