Auf der Höhe seiner Zeit
Jahrzehntelang galt Johann Adolf Hasse als einer der wichtigsten Komponisten jenes Operntyps, den die Musikgeschichtsschreibung in der Rückschau summarisch Opera seria genannt hat. Hasse war zwar an den Dresdner Hof gebunden, besaß aber Freiheiten, die es ihm erlaubten, attraktive Kompositionsaufträge zahlreicher bedeutender Theater anzunehmen. Seine Opern waren über ganz Europa verbreitet, wurden nach dem Tod des Komponisten aber bis auf einzelne Arien, die als Muster barocker Belcanto-Kunst galten, gründlich vergessen.
Bei der großen Wiederentdeckung der Barockoper in den letzten Jahrzehnten galt das Interesse zunächst anderen Komponisten, Händel und Vivaldi vor allem. Erst allmählich wird auch die Musik Hasses wiederentdeckt.
Daran zu bewundern ist nicht nur der erkleckliche Einfallsreichtum und die Expressivität, sondern auch die erstaunliche Wandelbarkeit dieses Komponisten. Als ein nach den Vorstellungen seiner Zeit bereits greiser Mann komponierte Hasse 1768 mit 69 Jahren ein Werk, das in keinem Takt an die virtuose Formelsprache barocker Musikdramen erinnert, sondern ganz dem Geist jener experimentierfreudigen Epoche entsprungen ist, in der es entstand. Hasse wohnte ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Thomas Seedorf
Die Himmelfahrt ist abgesagt. Umsonst klimpert sich die Harfe in den letzten Takten des «Fliegenden Holländers» ins Paradies. In Osnabrück sendet noch ein Lichtkegel den Segen des Himmels in den wirbelnden Abgrund von Dennis Krauß. In Gelsenkirchen landet der Himmel mitsamt Schiff und Holländer am Ende direkt in der Tonne. Senta hat bei Regisseur Igor Pison...
Am Beginn des neunten Lebensjahrzehnts stand er noch als Barak, sogar als Holländer auf der Bühne, stets bestaunt von der Operngemeinde: In diesem Alter noch solche Monsterpartien? Franz Grundheber dürfte auf solchen Zuspruch zwiegespalten reagiert haben. Ja, eine solche Spätestkarriere empfand er als ungewöhnlich, äußerte sich darüber auch selbstironisch. Und...
Der Satz hat Format und einige dialektische Würze. «The past is never dead. It’s not even past». So steht es in William Faulkners 1951 erschienenem Roman «Requiem for a Nun». Auch Detlev Glanert und der Librettist Reinhard Palm stellen diese philosophisch klugen Worte in deutscher Übersetzung («das Vergangene ist niemals tot, es ist nicht einmal vergangen») dem...
