Transzendenz des Abschieds
Auf ihrem neuen Solo-Album hat sich Anna Lucia Richter mit Gustav Mahler einer der schwierigsten Aufgaben für eine Sängerin im klassischen Liedrepertoire gestellt. Sowohl die acht frühen Lieder «Aus des Knaben Wunderhorn» als auch die fünf «Kindertotenlieder» sind «Songs of Fate», Schicksalslieder – allerdings konträrer literarischer Herkunft wie musikalischer Handschrift.
Schwanken die «Wunderhorn»-Vertonungen zwischen Naivität und Intellekt, Sentimentalität und Parodie und meinen in ihrer Gebrochenheit des Ausdrucks stets beides, so nehmen die düsteren Rückert-Lieder bereits jene Transzendenz des Abschieds vorweg, in dem, wie dann später im letzten Satz des «Lieds von der Erde», alles Glück zu Schmerz wird.
Richter trifft den episch-distanzierten, den Volkston stilisierenden Gestus des Als-ob der «Wunderhorn»-Stücke aufs Genaueste. Sie weiß ihre Stimme in Stücken wie «Lob des hohen Verstandes», «Rheinlegendchen» oder «Wer hat dies Liedlein erdacht?» mit «eckiger Naivität und frischer Geradlinigkeit» (Paul Bekker) ganz leicht, nämlich kindlich zu machen und dabei doch kunstvoll zu bleiben, wie eine, die vor sich hinsingt und ganz nebenbei doch ein Äußerstes an Expression ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Uwe Schweikert
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