Tradiridirom!
«Wirf dies ererbte Grau’n von Dir», kalmiert der Sensenmann in Hugo von Hofmannsthals «Der Tor und der Tod». Denn: «Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe! / Aus des Dionysos, der Venus Sippe / Ein großer Gott der Seele steht vor dir.» Das gibt dem Toren Zuversicht. Und es trifft sich mit der im Booklet von Johannes Martin Kränzles Album «Das ewige Rätsel» gestellten Anleitung, der Endlichkeit ins Auge zu blicken. Wodurch man nicht nur an Bewusstheit und Einsicht gewinne, sondern darüber hinaus an Demut, Dankbarkeit, Gelassenheit, Humor.
Solch «ererbtes Grau’n» befällt auch Hofmannsthals prominentesten Toren, den Jedermann. Frank Martin (1890-1974), heute eher an den Rand der Rezeption geraten, hat die Monologe aus dem «Leben und Sterben des reichen Mannes» 1943 in die für ihn so typische, suggestiv-herbe, seltsam verfremdete, calvinistische Strenge nahelegende Musiksprache gehüllt. Der von Trotz und Auflehnung über Bangen und Hoffen zu Ergebenheit führende Zyklus bildet quasi die Spindel dieses Recitals und könnte auch als persönliches Zeugnis Kränzles gelesen werden. Denn bei ihm war vor drei Jahren eine lebensbedrohende Knochenmarkserkrankung festgestellt worden; durch ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Gerhard Persché
Am Ende – kurz vor elf Uhr nachts – gehen zwei Menschen «in den Himmel» ein. Sie nennt sich Heliane und ist, der Name verrät es, eine Art weiblicher Heiland, Stimmlage Sopran. Er hat zwar keinen Namen, soll aber ebenfalls eine Erlösergestalt sein, Stimmlage Tenor. Kein Liebesduett, dafür eine Apotheose. Eigentlich sind die beiden längst tot, nun aber «strömen Du...
Vielleicht lag’s an der Zueignung. Vielleicht hätten Hans Werner Henze und sein Librettist Ernst Schnabel ihr Oratorio volgare e militare nicht dem kurz zuvor ermordeten kubanischen Revolutionsführer Che Guevara widmen sollen. Vielleicht wäre es genug der politischen (An-)Rede gewesen, sie hätten sich, wie dies jüngst dem österreichischen Schriftsteller Franzobel...
Drei Jahrzehnte lang hat Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam geleitet – eine exorbitante Erfolgsgeschichte. Als Regisseur verabschiedete er sich geradezu bescheiden, dazu nicht einmal im Stammhaus, sondern im am Hafen gelegenen kleineren Muziekgebouw aan’t IJ; genau die richtige Spielstätte für Stefano Landis tragicommedia pastorale «La morte d’Orfeo» von...
