Tradiridirom!

Anleitung, der Endlichkeit ins Auge zu blicken: Johannes Martin Kränzles und Hilko Dumnos brillantes Recital mit Liedern von Martin, Klein, Mahler und Ravel

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«Wirf dies ererbte Grau’n von Dir», kalmiert der Sensenmann in Hugo von Hofmannsthals «Der Tor und der Tod». Denn: «Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe! / Aus des Dionysos, der Venus Sippe / Ein großer Gott der Seele steht vor dir.» Das gibt dem Toren Zuversicht. Und es trifft sich mit der im Booklet von Johannes Martin Kränzles Album «Das ewige Rätsel» gestellten Anleitung, der Endlichkeit ins Auge zu blicken. Wodurch man nicht nur an Bewusstheit und Einsicht gewinne, sondern darüber hinaus an Demut, Dankbarkeit, Gelassenheit, Humor.


Solch «ererbtes Grau’n» befällt auch Hofmannsthals prominentesten Toren, den Jedermann. Frank Martin (1890-1974), heute eher an den Rand der Rezeption geraten, hat die Monologe aus dem «Leben und Sterben des reichen Mannes» 1943 in die für ihn so typische, suggestiv-herbe, seltsam verfremdete, calvinistische Strenge nahelegende Musiksprache gehüllt. Der von Trotz und Auflehnung über Bangen und Hoffen zu Ergebenheit führende Zyklus bildet quasi die Spindel dieses Recitals und könnte auch als persönliches Zeugnis Kränzles gelesen werden. Denn bei ihm war vor drei Jahren eine lebensbedrohende Knochenmarkserkrankung festgestellt worden; durch ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Gerhard Persché

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