Tonstörung
Das Bild besaß Symbolcharakter: Während der Ouvertüre zu Richard Wagners romantischer Oper «Lohengrin», die im Graben des Hessischen Staatstheaters bei der (szenisch leider völlig missglückten) Premiere ohnehin eher nach Verkrampfung als nach Verklärung klang, klemmte es irgendwo in der Soffitte und blieb das riesige schwarze Stofftuch zwischen Himmel und Erde hängen. Während die Protagonisten die Bühne betraten und mit Charme über die missliche Situation hinwegzuklettern versuchten, mussten Techniker des Hauses das Ungetüm per Hand zur Seite räumen.
Und als später, im zweiten Akt, der Darsteller des Grafen Friedrich von Telramund, kaum hatte seine böse Gefährtin Ortrud der naiven Elsa ihr Gift in die Seele geschüttet, den Satz «So zieht das Unheil in dieses Haus» in den Saal flüsterte, konnte man nicht mehr umhin, im Stillen zu denken: «Wohl wahr!»
Um es salopp zu sagen: Die Hütte brennt in Wiesbaden. Und dies nicht erst seit September. Der Konflikt zwischen der Intendanz und den künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der einen und dem Geschäftsführenden Direktor auf der anderen Seite schwelte bereits eine halbe Ewigkeit. Mitte September kam es dann zum offenen ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jürgen Otten
Was versprechen sie sich nicht alles vom Theater, die Tragischen, die Lyrischen, die Komischen, die Hohlköpfe und die Sonderlinge in Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen»? Und können sich am Ende doch auf ein Stück einigen, das nichts anderes als die Oper selbst ist. Am Tiroler Landestheater sind sie denn auch alle willkommen: die mit den antiken Masken, die...
JUBILARE
Judith Forst wurde am 7. November 1943 im kanadischen New Westminster geboren. An der University of British Columbia studierte sie Gesang und feierte bereits 1968 ihr Debüt an der Metropolitan Opera als Page in Verdis «Rigoletto». Weitere Rollen an der «Met» waren unter anderem Tebaldo in Verdis «Don Carlo», Stéphano in Gounods «Roméo et Juliette»,...
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann»...
