Tonstörung
Das Bild besaß Symbolcharakter: Während der Ouvertüre zu Richard Wagners romantischer Oper «Lohengrin», die im Graben des Hessischen Staatstheaters bei der (szenisch leider völlig missglückten) Premiere ohnehin eher nach Verkrampfung als nach Verklärung klang, klemmte es irgendwo in der Soffitte und blieb das riesige schwarze Stofftuch zwischen Himmel und Erde hängen. Während die Protagonisten die Bühne betraten und mit Charme über die missliche Situation hinwegzuklettern versuchten, mussten Techniker des Hauses das Ungetüm per Hand zur Seite räumen.
Und als später, im zweiten Akt, der Darsteller des Grafen Friedrich von Telramund, kaum hatte seine böse Gefährtin Ortrud der naiven Elsa ihr Gift in die Seele geschüttet, den Satz «So zieht das Unheil in dieses Haus» in den Saal flüsterte, konnte man nicht mehr umhin, im Stillen zu denken: «Wohl wahr!»
Um es salopp zu sagen: Die Hütte brennt in Wiesbaden. Und dies nicht erst seit September. Der Konflikt zwischen der Intendanz und den künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der einen und dem Geschäftsführenden Direktor auf der anderen Seite schwelte bereits eine halbe Ewigkeit. Mitte September kam es dann zum offenen ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jürgen Otten
In Pesaro, der Geburtsstadt des Komponisten an der Adria, schlägt das Herz der internationalen Rossini-Pflege. Alljährlich spielt das Rossini Opera Festival (ROF) drei seiner 39 Opern, wobei 2023 einen gewissen Schlusspunkt setzt: Mit «Eduardo e Cristina» steht das einzige Bühnenwerk auf dem Spielplan, das hier noch nie gezeigt wurde. Zwar war die Oper bereits...
Der Weltgeist thront zu Pferde. Nun ja, nicht ganz, denn das arme Tier entpuppt sich bei genauerem Hinsehen erstens als Maulesel und hat zweitens nur zwei Beine (sie gehören einem bärenstarken Statisten, der sich unter dem Leinenfell verbirgt); auch der General ist nur eine blondgescheitelte Kopie Napoleons ohne dessen majestätische Kopfbedeckung. Aber das macht...
Das Ende ist der Anfang. Ein Herrscher zeigt, von Huldigungsklängen in strahlendem Dur begleitet, göttergleiche Milde und vergibt seinen Verschwörern, erst dem in sich zusammengesunkenen Sesto, dann der auch jetzt noch stolzen Vitellia. In Mozarts (vorgeblicher) Krönungsoper «La clemenza di Tito» ist es nach etlichen Irrungen, Wirrungen (und Falschmeldungen) die...
