Das kleine Glück, so fern, so nah

Tatjana Gürbaca inszeniert an der Wiener Staatsoper Puccinis «Trittico» mit poetischer Dringlichkeit, Philippe Jordan erkundet die Schönheiten der Partitur

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Der Weltgeist thront zu Pferde. Nun ja, nicht ganz, denn das arme Tier entpuppt sich bei genauerem Hinsehen erstens als Maulesel und hat zweitens nur zwei Beine (sie gehören einem bärenstarken Statisten, der sich unter dem Leinenfell verbirgt); auch der General ist nur eine blondgescheitelte Kopie Napoleons ohne dessen majestätische Kopfbedeckung. Aber das macht nichts, schließlich ist, zumindest an diesem Abend, Karneval in Florenz – somit allen (fast) alles erlaubt und dem Erfindungsreichtum jedweder Couleur keine Grenze gesetzt.

Für eine Kostümbildnerin ein nachgerade paradiesischer Zustand. Silke Willrett nutzt die sich ihr bietende Chance und schenkt den leicht derangierten Mitgliedern des Buoso-Clans an der Wiener Staatsoper die schönsten (Schein-)Identitäten. Gherardo beispielsweise, Buosos bigotter Neffe (Andrea Giovanni), gibt den erwartbaren devoten Pfaffen, seine hübsche, aber recht neurotische Gattin Nella die ebenso erwartbare, aber so gar nicht heilige, sondern eher zu häuslicher Gewalt neigende Jungfrau Maria. Zita, Cousine des Verstorbenen, der sich vor Beginn des Stücks (vermutlich) zu Tode gesoffen hat, während er Zeitung lesend am Küchentisch hockte und ...

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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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