Tödlicher Auftrag
Allzu viele Aufführungen von Hans Pfitzners musiktheatralischem Hauptwerk «Palestrina» gab es in den letzten Jahrzehnten nicht – und wohl überhaupt noch keine eines innovativ durchdringenden Szenikers. Das scheint erstaunlich, weil es sich um ein Schlüsselwerk an der Nahtstelle zwischen Wagner und der Moderne handelt. Und zudem um eine veritable, in vielerlei Hinsicht belastete Bühnensperrigkeit, an der sich jede ingeniöse (Darstellungs-)Fantasie entzünden müsste.
So war es nun Harry Kupfer, einer der großen Alten der deutschen Opernregie, der diese «musikalische Legende» mit zupackender Anschärfung am Frankfurter Opernhaus neu erzählte und ihr damit vielleicht einen längst überfälligen Rezeptionsschub verschaffte. Der Künstler im Getriebe der Macht – das schien Motto dieser Interpretation, die im Gegensatz zu Christian Stückls Münchner Neuinszenierung vom vergangenen Winter (siehe OW 3/2009) keineswegs modebewusst verpoppt daherkam.
Sie durchstieß die Buchstäblichkeit des (vom Komponisten selbst verfassten) Textes ebenso wie Pfitzners von Schopenhauer übernommene These von der Unbeflecktheit geistigen und künstlerischen Hervorbringens durch das «weltliche Treiben» der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Enttäuschung darüber, dass der von Stress und Pech verfolgte Rolando Villazón sich nicht in Baden-Baden für die Rolle des Werther würde einfinden können, war groß. Viele Besucher machten Gebrauch von dem Angebot, die Karten zurückzugeben. Sie verpassten so nicht nur eine glänzend disponierte Elina Garanca, deren Charlotte vergessen machte, dass «Werther» die...
Die Hälfte der Opern, die in diesem Sommer in Glyndebourne auf dem Programm stehen, darunter zwei der drei neuen Produktionen, wurden von Regisseuren betreut, die aus der britischen Schauspielszene kommen. Durch Experimentierlust ist keiner von ihnen aufgefallen. «Moderne» Regieperspektiven passen offenbar nicht mehr zum ästhetischen Selbstbild des Festivals....
Lord Ashburton, Schirmherr der Grange Park Opera, arbeitete 39 Jahre lang als Investment Banker. In seinem Geleitwort zur aktuellen Spielzeit spricht er vor allem von der Finanzkrise. Das von Wasfi Kani seit zwölf Jahren geleitete Festival in Hampshire ist nur
lebensfähig, wenn sich die Karten (aktuell zu Preisen zwischen 50 und 115 Pfund) verkaufen lassen und...
