Liebe ist nur eine Möglichkeit
Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von Anfang an so präsent, als wäre sie die heimliche Regisseurin. Ausgelöst wird ein grundlegender Perspektivwechsel: nicht mehr Tristans Erlösung durch Isolde, sondern Isoldes Lösung von Tristan.
Sie hat es ja von Anbeginn gewusst – «mir erkoren, mir verloren». Und noch zuvor, im szenisch gefassten Orchestervorspiel, sieht Isolde in einem Video-Fenster, wie sich Tristan von einem Felsen stürzt. Weder leben noch sterben konnte sie gemeinsam mit ihm: Er kam zu spät, um mit ihr zu leben, sie kam zu spät, um mit ihm zu sterben. Jetzt muss sie für sich allein schauen: einmal zurück in einer Art Anamnese ihrer Leidens- und Liebesgeschichte, einmal nach vorn, in einem musikalischen Befreiungsschlag. Ihren Schlussmonolog singt Isolde als einsame Lichtgestalt auf Fabian Liszts im Dunkeln versunkener Bühne – ihre Geschichte mit Tristan ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Lotte Thaler, Peter Krause
Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus...
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
Wer in Düsseldorf das Opernhaus besucht, zumal wenn die Sonne scheu-warm vom Himmel auf den benachbarten Hofgarten herabblinzelt, kommt um den wohl größten Sohn der Stadt kaum herum. Und so muss man auch an diesem milden Spätwintertag sogleich an Heines Gedicht «Frühling» denken, an diese lichten, leichten Verse: «Die Wälder und Felder grünen, / es trillert die...
