Liebe ist nur eine Möglichkeit
Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von Anfang an so präsent, als wäre sie die heimliche Regisseurin. Ausgelöst wird ein grundlegender Perspektivwechsel: nicht mehr Tristans Erlösung durch Isolde, sondern Isoldes Lösung von Tristan.
Sie hat es ja von Anbeginn gewusst – «mir erkoren, mir verloren». Und noch zuvor, im szenisch gefassten Orchestervorspiel, sieht Isolde in einem Video-Fenster, wie sich Tristan von einem Felsen stürzt. Weder leben noch sterben konnte sie gemeinsam mit ihm: Er kam zu spät, um mit ihr zu leben, sie kam zu spät, um mit ihm zu sterben. Jetzt muss sie für sich allein schauen: einmal zurück in einer Art Anamnese ihrer Leidens- und Liebesgeschichte, einmal nach vorn, in einem musikalischen Befreiungsschlag. Ihren Schlussmonolog singt Isolde als einsame Lichtgestalt auf Fabian Liszts im Dunkeln versunkener Bühne – ihre Geschichte mit Tristan ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Lotte Thaler, Peter Krause
Die Neuproduktion von «Pelléas et Mélisande» an der Pariser Nationaloper ruht fast ganz auf den Schultern beziehungsweise Gurgeln des Titelpaars. Sabine Devieilhe singt die Mélisande seit nunmehr zehn Jahren: konzertant (in Tourcoing 2015 und am Pariser Théâtre des Champs-Élysées 2018) und auch szenisch (Ende letzter Spielzeit mit großer Resonanz an der Bayerischen...
Mach dich doch selbst kaputt, bevor es jemand anders tut!», heißt es in einem Song des Punk-Pioniers Dieter «Otze» Ehrlich. Er selbst beherzigte dieses Motto bis zum Exzess. Vor 20 Jahren starb der Bandleader von «Schleimkeim» an Herzversagen. Sein früher Tod ist der tragische Schlusspunkt einer lebenslangen Rebellion. 1964 im Erfurter Ortsteil Stotternheim...
Hier stimmt einfach jedes Detail. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass dieses Libretto vor mehr als 300 Jahren entstand und nicht erst vor ein paar Monaten. Vincenzo Grimani schrieb es, überaus frei im Umgang mit der römischen Geschichtsschreibung. «Agrippina», Händels erster großer Bühnenerfolg, wird in Zürich zu einem aufregenden, absolut heutigen Abend, bei dem...
