Tiefsinnige Parabel
Der Tod verweigert seine Arbeit. Und das hat erhebliche Konsequenzen: Es kann nicht mehr gestorben werden. Was an sich (vielleicht) eine gute Botschaft wäre, hat allerdings einen kleinen Haken: Das Leiden der Menschen verringert sich keineswegs. Zumal Kaiser Overall an die Fortsetzung des Krieges mit allen Mitteln denkt. Die Dezimierung des Feindes bleibt jedoch aus – und so eben auch des Kaisers Sieg. Propagandistisch gewieft, wie er ist, dreht er die Sache um und schenkt allen das ewige Leben. Der Krieg geht gleichwohl weiter, eine Revolte bricht aus.
In diesem Moment tritt der Tod dem Kaiser im Spiegel gegenüber und bietet ihm die Fortsetzung seiner Arbeit an, wenn Overall ihm als erstes Opfer folgt. Der Kaiser willigt ein, nimmt Abschied und folgt dem Tod durch den Spiegel. Ein Schlusschoral verkündet: «Du sollst den großen Namen Tod nicht eitel beschwören.»
Genau das taten aber jene, die den Anlass gaben für Viktor Ullmanns tiefsinnige Opernparabel. «Der Kaiser von Atlantis» darf als das bedeutendste musiktheatralische Kunstzeugnis gelten, das unter den Bedingungen des von den Nationalsozialisten betriebenen Konzentrationslagers Theresienstadt entstanden ist. Es hatte nur ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 48
von Bernd Künzig
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels...
Sie waren füreinander geschaffen – als Schwester und Bruder, in platonischer Zuneigung verbunden, nie jedoch als Traumpaar à la Sieglinde und Siegmund. Fanny und Felix Mendelssohn bildeten zeitlebens ein nicht nur munter-vergnügtes, sondern darüber hinaus auch innig miteinander verbandeltes Geschwistergespann. Und glaubt man den brieflichen Äußerungen, die zwischen...
Es gibt dieses Bild. Ein Ölgemälde, gemalt hat es Paul von Joukowsky, ein Freund der Familie, im Jahre 1880. Es zeigt die Porträtierte, vor historisierend anmutender Samtportiere, in einem kostbaren Maharadscha-Gewand, als würdevolle Fürstin. Die Haltung ist stolz, der Blick offen, klar, direkt, wenngleich: eine Spur festgehalten, wie der strenge Mittelscheitel,...
