Neue Perspektiven
Am 29. Januar 1933, einen Tag bevor Adolf Hitler Reichskanzler wird, schreibt Kurt Weill einen Brief an seine Geliebte Erika Neher, und er macht dabei keinen Hehl aus der miserablen Verfassung, in welcher er sich befindet: «Ich war wieder einmal ein paar Tage ganz verzweifelt, weil mir wieder etwas schiefgegangen war u. ich in einer scheusslichen Stimmung war, u. da es für mich so aussah, als ob ich überhaupt nicht wieder aus dieser Pechsträhne herauskommen würde. Aber nach ein paar Tagen sah es dann wieder ein bisschen hoffnungsvoller aus.
Es ist merkwürdig, was für eine Rolle in einer so schweren Zeit die Hoffnung spielt …»
Weill hat Depressionen, nicht nur der veränderten politischen Großwetterlage wegen. Doch es ist ausschließlich letztere, die ihn wenige Wochen später, kurz nach der Leipziger Uraufführung seiner Oper «Der Silbersee» auf einen Text von Georg Kaiser, dazu zwingt, Deutschland zu verlassen – auf immer. Warum, ist allgemein bekannt. Und vielleicht auch, unter welchen dramatischen Umständen der Komponist – nach Ansicht des zeitgenössischen Musikpublizisten Paul Bekker «eine der stärksten Begabungen unter den jüngeren Deutschen» – nach Frankreich flieht, bevor er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 49
von Jan Verheyen
Der Tod verweigert seine Arbeit. Und das hat erhebliche Konsequenzen: Es kann nicht mehr gestorben werden. Was an sich (vielleicht) eine gute Botschaft wäre, hat allerdings einen kleinen Haken: Das Leiden der Menschen verringert sich keineswegs. Zumal Kaiser Overall an die Fortsetzung des Krieges mit allen Mitteln denkt. Die Dezimierung des Feindes bleibt jedoch...
Herzog Blaubarts Burg
Die Frau, der Mann: Was soll man meckern?
Er alt, sie jung, er: sehr allein.
Die Burg: sehr kalt, es zieht herein.
Doch sie, sie meint: «Auf deinen Äckern
Zieh’n wir nun hin, lass uns jetzt spüren,
Was Liebe kann – und wie sie geht!»
Er sagt: «Okay!», sie wird konkret:
«Zeig mir, mein Schatz, nun alle Türen!»
Tür eins bis vier: nur Sadumuso.
...
Giacomo Meyerbeer war nie am Grünen Hügel in Bayreuth. Wie auch, der Schöpfer so einiger be- deutender Grandes Opéras hatte das Zeitliche bereits gesegnet, als das Festspielhaus im Fränki- schen seine Pforten öffnete. Und selbst wenn er als ein Engel vom Himmel hätte herabschweben können, wäre es in den heiligen Hallen womöglich zu einem veritablen Hauen und...
