Thomas: Mignon

Dessau

Der Tod kommt im Leben nicht vor. Er steht am Rande, ein Wartender. Nicht jedem ist dieser Wartende willkommen. Und auch in der Oper mag mancher dieses Sterben nicht miterleben; deswegen vor allem kam das lieto fine in die Welt. Der Beispiele für dieses versöhnende Schlusstableau sind es zahlreiche. Eines davon datiert vom 17. November 1866, als die Oper «Mignon» des französischen Komponisten Ambroise Thomas in Paris ihre Uraufführung erlebte – allerdings mit dem «falschen» Ende. Mignon schied dahin, das Publikum raunte.

Weil die Kritiken in die gleiche Kerbe schlugen, entschied sich Thomas zur Überarbeitung. Mignon durfte am Ende leben und zwar im vollkommenen Liebesglück. Und siehe da, in der neuen Version wurde die Oper ein veritabler Erfolg. Irgendwann verschwand sie von den Spielplänen.
Dem Anhaltischen Theater ist es nun zu danken, dass Mignon wieder die Bühne betreten durfte. In einer In­sze­nierung des Generalintendanten Johannes Felsenstein, der auch die deutsche Bearbeitung besorgte, erlebt die Oper eine Renaissance. Zwei wesentliche Änderungen (abgesehen von den Streichungen und Umformungen, so etwa in der Ouvertüre) sind prägend für diese Produktion. Das tragische Ende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 60
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dienst am Menschen

Er war ein Universalist. Ernst Haefliger  hat viele Rollen des lyrischen Opern­repertoires gesungen, Oratorien, Messen, Passionen und Kantaten, und er hat seine Arbeit als Dienst für die Lebenden begriffen. Wo und wann immer Urauffüh­rungen angesetzt waren, stand er für  Carl Orff, Boris Blacher, Frank Martin, Olivier Messiaen und Aribert Reimann  bereit. Noch zu...

Leidensgeschichten

Charpentiers «Louise», anno 1900 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt und in den folgenden Jahrzehnten rund tausendmal auf dem Spielplan des Theaters, konnte ihren Erfolg, wie manch andere Werke, nicht auf Dauer konservieren. Selbst in Frankreich hielt sich die Zahl der Neuinszenierungen in Grenzen, allerdings wuchs in der jüngeren Vergangenheit das Interesse...

Vom Bilderstürmer zum Aufklärer

In den Garten am Hang hinterm Bungalow schüttet der Siegerland-Regen. Reinhard Goebel rutscht auf seinem Biedermeierstuhl herum. «Ich bin kein Opernmensch!», sagt der Mann, der gerade Michael Haydns Salzburger Festoper «Andromeda und Perseus» für die CD und Piccinnis «Catone in Utica» im Nationaltheater Mannheim dirigiert hat. Musikalische Vorlieben, wie sie Goebel...