Thomas: Mignon
Der Tod kommt im Leben nicht vor. Er steht am Rande, ein Wartender. Nicht jedem ist dieser Wartende willkommen. Und auch in der Oper mag mancher dieses Sterben nicht miterleben; deswegen vor allem kam das lieto fine in die Welt. Der Beispiele für dieses versöhnende Schlusstableau sind es zahlreiche. Eines davon datiert vom 17. November 1866, als die Oper «Mignon» des französischen Komponisten Ambroise Thomas in Paris ihre Uraufführung erlebte – allerdings mit dem «falschen» Ende. Mignon schied dahin, das Publikum raunte.
Weil die Kritiken in die gleiche Kerbe schlugen, entschied sich Thomas zur Überarbeitung. Mignon durfte am Ende leben und zwar im vollkommenen Liebesglück. Und siehe da, in der neuen Version wurde die Oper ein veritabler Erfolg. Irgendwann verschwand sie von den Spielplänen.
Dem Anhaltischen Theater ist es nun zu danken, dass Mignon wieder die Bühne betreten durfte. In einer Inszenierung des Generalintendanten Johannes Felsenstein, der auch die deutsche Bearbeitung besorgte, erlebt die Oper eine Renaissance. Zwei wesentliche Änderungen (abgesehen von den Streichungen und Umformungen, so etwa in der Ouvertüre) sind prägend für diese Produktion. Das tragische Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Riga hatten es die Werke des einstigen Kapellmeisters Richard Wagner (er amtierte am längst zerstörten Stadttheater) nicht gerade leicht – der letzte zyklische «Ring» liegt gut hundert Jahre zurück. In den Spielplänen der vergangenen Jahrzehnte taucht der Name Wagner nur spärlich auf. Und wenn es doch mal einen «Holländer» oder «Lohengrin» gab, so im...
Charpentiers «Louise», anno 1900 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt und in den folgenden Jahrzehnten rund tausendmal auf dem Spielplan des Theaters, konnte ihren Erfolg, wie manch andere Werke, nicht auf Dauer konservieren. Selbst in Frankreich hielt sich die Zahl der Neuinszenierungen in Grenzen, allerdings wuchs in der jüngeren Vergangenheit das Interesse...
Wo Igor Strawinsky war, da war der Tanz nicht weit, auch die szenische Transformation der Oper nicht – und schon gar, wenn Impresario Sergei Diaghilew die Hände im Spiel hatte. «Le Rossignol» schlüpfte schon bei der Pariser Uraufführung 1914 ins Ballettröckchen, dieweil die Sänger lediglich zu singen hatten. «Oedipus Rex» widerfuhr bereits bei der szenischen...
