Thema verfehlt

Wagner: Der fliegende Holländer Dresden / Semperoper

Opernwelt - Logo

Dass Senta die eigentliche Hauptfigur im «Fliegenden Holländer» und dieser nichts anderes als eine Projektion von ihr ist, lässt sich aus Text und Musik dieser romantischen Oper ohne Umwege begründen, und es bietet sich als Ausgangspunkt für eine Interpretation aus heutiger Sicht geradezu an. Florentine Kleppers Einfall, die Geschichte in sich überlagernden Rückblenden Sentas zu erzählen, ist also nicht umstürzend neu. Eine kleine Landzunge, die ins Meer hinausragt, wird zum Ort der Erinnerung.

Diese setzt mit der (musikalisch nicht unterfütterten, pantomimisch ausgeführten) Seebestattung Dalands ein; die kleine Senta erlebt (erträumt?) den Auftritt des Holländers, der sie als «gepriesenen Engel» Gottes ansingt. Später wechselt die Wahrnehmungsperspektive. Im zweiten Akt ist Senta erwachsen (doch noch immer geistert sie gleichzeitig als Kind über die Bühne), im dritten erscheint sie im Brautkleid. Träume und Wirklichkeit, Gestern und Heute schieben sich auf der Szene oft undurchschaubar ineinander, Tiefenpsychologie und Schwarze Romantik mischen sich in verstörender Weise.  

So weit, so gut. Das alles lässt sich aus der Vorlage ableiten. Doch Frau Klepper gehört offensichtlich zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
«Lieber nicht»

Herr Pisaroni, Ihre Popularität in Deutschland ist nicht so hoch wie die von Ildebrando d’Arcangelo oder Erwin Schrott. Braucht man immer noch CDs, um berühmt zu werden?
Sieht fast so aus. Jonas Kaufmann hat mir einmal gesagt: «Mich gibt es doch schon so viele Jahre! Jetzt plötzlich erst geht es los.» Das lag an seinen CDs, mit denen er spät angefangen hat. Dass ich...

Brüder im Geiste

Draußen vor der Helmut-List Halle, in einem an Sultan Saladins Zeiten erinnern­den Zelt, prangt das Logo ei­nes Energie versprechenden Prickeldrinks. Doch wer braucht hier ein Aufputschmittel? Wohnt nicht jeder Harnoncourt-Premiere ohnehin ein Prickeln inne, zumal, wenn es sich um Offenbach handelt? Beide Herrschaften verbindet ja mehr als das Cellospiel und die...

Nicht leicht zu knacken

Erst neulich glückte der Kölner Oper mit Puccinis «Il trittico» ein riskanter Besetzungs-Coup: Die drei Einakter wurden von drei Regisseurinnen inszeniert, was gründlich hätte scheitern können. Doch verklammert durch Dieter Richters geniales Einheitsbühnenbild ging die Rechnung auf, und drei ausgeprägte Regiehandschriften rundeten sich zu einem prallen...