Thema verfehlt
Dass Senta die eigentliche Hauptfigur im «Fliegenden Holländer» und dieser nichts anderes als eine Projektion von ihr ist, lässt sich aus Text und Musik dieser romantischen Oper ohne Umwege begründen, und es bietet sich als Ausgangspunkt für eine Interpretation aus heutiger Sicht geradezu an. Florentine Kleppers Einfall, die Geschichte in sich überlagernden Rückblenden Sentas zu erzählen, ist also nicht umstürzend neu. Eine kleine Landzunge, die ins Meer hinausragt, wird zum Ort der Erinnerung.
Diese setzt mit der (musikalisch nicht unterfütterten, pantomimisch ausgeführten) Seebestattung Dalands ein; die kleine Senta erlebt (erträumt?) den Auftritt des Holländers, der sie als «gepriesenen Engel» Gottes ansingt. Später wechselt die Wahrnehmungsperspektive. Im zweiten Akt ist Senta erwachsen (doch noch immer geistert sie gleichzeitig als Kind über die Bühne), im dritten erscheint sie im Brautkleid. Träume und Wirklichkeit, Gestern und Heute schieben sich auf der Szene oft undurchschaubar ineinander, Tiefenpsychologie und Schwarze Romantik mischen sich in verstörender Weise.
So weit, so gut. Das alles lässt sich aus der Vorlage ableiten. Doch Frau Klepper gehört offensichtlich zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ekkehard Pluta
Mitte Juni kehrt Berlin jedes Jahr seine skandinavische Seite nach außen. Dann leuchtet’s noch um Mitternacht schlierig-blau am Himmel, und plötzlich ist unübersehbar, wie nah der Norden doch liegt. Das gilt auch umgekehrt: Für Künstler, denen Stockholm und Kopenhagen nicht genug sind, gehört Berlin zu den ersten urbanen Agglomerationen auf dem Weg nach Süden....
54. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752258
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 09.07.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
erona kann sehr heiß sein. Nur zu gut erinnere ich mich an meinen ersten Besuch in der Arena: wir, ein Trüppchen opernbegeisterter Studienfreunde, unser Gefährt ein alter Golf, natürlich ohne Klimaanlage. Fast wäre die Fahrerin wegen der Hitze ohnmächtig geworden, aber wir schafften es bis in die Stadt, drängelten uns mit den Tagesausflüglern vom Gardasee vor dem...
