Theaterzauber
Ein Junge läuft auf die fast leere Bühne des Gärtnerplatztheaters, bald steigen Sonne, Mond und Sterne auf, der ganze alte Theaterzauber, nur hergestellt mit neuen, digi -talen Mitteln. Viel braucht Josef E. Köpplinger, Intendant des Hauses, nicht für die «Zauberflöte»: ein paar Treppen, verschiebbare Wände, einen Kubus aus Leuchtstoffröhren – für den Rest bleibt die Videoabteilung zuständig.
Nicht als Erster erzählt er Mozarts Singspiel als Coming-of-Age-Geschichte: Der Junge ist niemand anderes als Tamino, der Tenor Lucian Krasznec, im Hoodie noch ziemlich jugendlich, bald sein Double. Leider steht Demian Erofeev, der Junge, danach meistens nur staunend herum, während doch das altbekannte Märchen erzählt wird - was bemerkenswert wenig macht. Denn Köpplinger gelingt es, Erwartungshaltungen im Detail immer wieder zu unterlaufen, auf ebenso listige wie lustige Weise: Papageno fährt auf einem Federwagen herunter, lebt aber im schnörkellosen Kostümbild von Alfred Mayerhofer gut auch ohne Federn. Dafür dürfen sich die Knaben ihren Wagen erstmal selbst bauen, wie auch ihr ganzes Gehabe von Standfestigkeit und Männlichkeit hier deutlich Marke Eigenbau ist, Teenagerposen. Und wenn Tamino ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Stallknecht
Für Alban-Berg-Süchtige ist der typografisch ansprechend gestaltete Band im Kunstkatalogformat eine Fundgrube. Man kann diesem Komponisten, dem als Einzigem das Kunststück gelang, die Rechenexempel der Dodekaphonie mit der todessüchtigen Dekadenz der Spätromantik zu versöhnen, in allen Lebenslagen folgen – vom Kinderbild des Zweijährigen bis zur letzten Fotografie...
Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater...
Mit diesem Album schließt Reinoud Van Mechelen seinen faszinierenden Überblick über die Entwicklung der haute-contre-Stimme in der französischen Barockoper ab. Die erste Folge galt 2018 Louis Gaulard Dumesny, dem vom Koch zum Star der Pariser Opéra aufgestiegenen Protagonisten Lullys am Ende des 17. Jahrhunderts. Die zweite Folge war 2020 Pierre de Jéliote...
