Theatermusik für alle
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.
» Deutlicher als in dieser Arie des Rates Steffen, der in Telemanns neuer Oper die rührende Geschichte der Kaisertochter Emma und des bürgerlichen Emporkömmlings Eginhard kommentierend begleitete, ließen sich die Ressentiments der hansestädtischen Kaufleute gegen die Herren von Stand kaum in Worte fassen. Wie schon sein Vorgänger Reinhard Keiser, der sogar den neapolitanischen Fischeraufstand des «Masaniello» auf die Opernbühne gebracht hatte, scheute sich auch Hamburgs Generalmusikdirektor nicht, heiße Eisen anzupacken – und das, obwohl die Hamburger Gänsemarkt-Oper auf die Zuwendungen der umliegenden Höfe ebenso angewiesen war wie auf die Eintrittsgelder des bürgerlichen Publikums. Umso erstaunlicher, dass die sieben erhaltenen großen Opern Georg Philipp Telemanns bislang kaum vom Barockopern-Fieber an den Opernhäusern profitiert haben – nach der ersten ...
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Statt der Anekdote die Beinahe-Tragödie. Statt des gemütlichen Ambientes der Garmischer Richard-Strauss-Villa der sich öffnende und schließende, der immerfort kreisende Gasometer, aus dem es für die einsame Ehefrau Christine (alias Pauline) kein Entkommen gibt. Die Zürcher «Intermezzo»-Inszenierung Jens-Daniel Herzogs in der nüchtern-sachlichen Ausstattung Mathis...
«Es war ein wirkliches Erlebnis meines Beobachterjahres, als ich das Diminuendo seines hohen C's in ‹Salut, demeure chaste et pure› hörte. Solange ich lebe, werde ich die Schönheit dieses Tons nicht vergessen.»
(Rudolf Bing, «5000 Abende in der Oper»)
Als Rudolf Bing auf die Erfahrungen seines langjährigen Opernmanagerlebens zurückblickte, beschrieb er den Sizilianer...
Als Konsumgut, das dem Publikum durch Momente etwas wert sei, die der Sache gar nicht wesentlich wären, werde es zu einem anderen als es selbst, hatte Adorno vor mehr als vierzig Jahren über das Phänomen Oper formuliert. Auf trivialer Ebene entspricht diesem Statement ein Cartoon, der 2005 anlässlich des Hype um Anna Netrebko bei der «Traviata» in Salzburg in einer...
