Theatermusik für alle
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.
» Deutlicher als in dieser Arie des Rates Steffen, der in Telemanns neuer Oper die rührende Geschichte der Kaisertochter Emma und des bürgerlichen Emporkömmlings Eginhard kommentierend begleitete, ließen sich die Ressentiments der hansestädtischen Kaufleute gegen die Herren von Stand kaum in Worte fassen. Wie schon sein Vorgänger Reinhard Keiser, der sogar den neapolitanischen Fischeraufstand des «Masaniello» auf die Opernbühne gebracht hatte, scheute sich auch Hamburgs Generalmusikdirektor nicht, heiße Eisen anzupacken – und das, obwohl die Hamburger Gänsemarkt-Oper auf die Zuwendungen der umliegenden Höfe ebenso angewiesen war wie auf die Eintrittsgelder des bürgerlichen Publikums. Umso erstaunlicher, dass die sieben erhaltenen großen Opern Georg Philipp Telemanns bislang kaum vom Barockopern-Fieber an den Opernhäusern profitiert haben – nach der ersten ...
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Schade, dass Stephan Suschke sich erst im zweiten Teil des Abends darauf besann, dass Opernregie mehr bieten sollte als ausgefeilte Dialoge und ein paar bühnenwirksame Auftritte. Heinrich Marschners romantische Oper «Der Vampyr» hatte auf den Tag genau 180 Jahre nach der Leipziger Uraufführung in Würzburg Premiere – in jener Stadt also, wo der junge Richard Wagner...
Längst nicht alle Quereinsteiger bringen der Oper die erhoffte Blutzufuhr. Von Philipp Stölzl ist sie indes mehr und mehr zu erwarten. Seine dritte Inszenierung – nach dem Meininger «Freischütz» und dem arg frühzeitigen Salzburger «Benvenuto Cellini» – nährt die Neugier aufs Kommende. Bildertheater – einstweilen sein Markenzeichen – ist auch dieser Gounod’sche...
Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichste, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg...
