Theatermusik für alle
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.
» Deutlicher als in dieser Arie des Rates Steffen, der in Telemanns neuer Oper die rührende Geschichte der Kaisertochter Emma und des bürgerlichen Emporkömmlings Eginhard kommentierend begleitete, ließen sich die Ressentiments der hansestädtischen Kaufleute gegen die Herren von Stand kaum in Worte fassen. Wie schon sein Vorgänger Reinhard Keiser, der sogar den neapolitanischen Fischeraufstand des «Masaniello» auf die Opernbühne gebracht hatte, scheute sich auch Hamburgs Generalmusikdirektor nicht, heiße Eisen anzupacken – und das, obwohl die Hamburger Gänsemarkt-Oper auf die Zuwendungen der umliegenden Höfe ebenso angewiesen war wie auf die Eintrittsgelder des bürgerlichen Publikums. Umso erstaunlicher, dass die sieben erhaltenen großen Opern Georg Philipp Telemanns bislang kaum vom Barockopern-Fieber an den Opernhäusern profitiert haben – nach der ersten ...
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