Eros des Augenblicks
«Es war ein wirkliches Erlebnis meines Beobachterjahres, als ich das Diminuendo seines hohen C's in ‹Salut, demeure chaste et pure› hörte. Solange ich lebe, werde ich die Schönheit dieses Tons nicht vergessen.»
(Rudolf Bing, «5000 Abende in der Oper»)
Als Rudolf Bing auf die Erfahrungen seines langjährigen Opernmanagerlebens zurückblickte, beschrieb er den Sizilianer Giuseppe di Stefano als einen der begnadetsten und zugleich launenhaftesten Tenöre, mit dem er je hatte zusammenarbeiten müssen.
Heißsporn und Hasardeur, hat der Lieblingspartner von Maria Callas mit seinem vokalen Kapital – und nicht nur mit diesem – Roulette gespielt, eine Zeit lang viel gewonnen und schon früh alles verloren. Als der Dirigent Victor de Sabata ihn vor einem Missgeschick warnen wollte, sagte er nonchalant: «Geben Sie mir keine Ratschläge, meine Fehler kann ich selbst machen.»
Seine ersten Lire ersang er sich in Kaffeehäusern, Kinos und Kirchen. Nachdem er mit siebzehn Jahren kleinere Wettbewerbe gesungen hatte, wurde er 1940 von Luigi Montesanto, in der Uraufführung von «Il tabarro» der Sänger des Michele, als Schüler angenommen. Ein Jahr später wurde er zum Militär eingezogen. Ein Offizier, der ihn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
CD: Giuseppe di Stefano im "Turandot" 1961
Neue historische Recitals
Dass Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal die im frühen 20. Jahrhundert noch junge Filmkunst sonderlich ernst genommen hätten, wird man schwerlich behaupten können. Ihr Interesse an dem neuen Medium war vor allem geschäftlicher Natur. Während sie die eigenen Werke selbstverständlich als Perlen der bürgerlichen Hochkultur begriffen, erblickten sie im Kino vor...
Rund um die Berliner Staatsoper war es längst schon ein offenes Geheimnis: Zwischen Intendant Peter Mussbach und dem Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler läuft nichts mehr. Hier der sprunghafte Kunstvisionär und unorthodoxe Steuermann eines großen Operntankers, dort der kunstferne Finanzkommissar und beinharte Manager. Das war eine Konstellation, die Unter...
Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...
