Eros des Augenblicks

Heißsporn, Hasardeur, Lieblingspartner der Callas: Der kürzlich verstorbene Giuseppe di Stefano setzte am liebsten alles auf eine Karte – auf der Bühne wie im Leben. Jürgen Kesting erinnert an Höhen und Tiefen eines Sängers von beispielloser sinnlicher Musikalität

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«Es war ein wirkliches Erlebnis meines Beobachterjahres, als ich das Diminuendo seines hohen C's in ‹Salut, demeure chaste et pure› hörte. Solange ich lebe, werde ich die Schönheit dieses Tons nicht vergessen.»
(Rudolf Bing, «5000 Abende in der Oper»)

Als Rudolf Bing auf die Erfahrungen seines langjährigen Opernmanagerlebens zurückblickte, beschrieb er den Sizilianer Giuseppe di Stefano als einen der begnadetsten und zugleich launenhaf­tes­ten Tenöre, mit dem er je hatte zusammenarbeiten müssen.

Heißsporn und Hasardeur, hat der Lieblingspartner von Maria Callas mit seinem vokalen Kapital – und nicht nur mit diesem – Roulette gespielt, eine Zeit lang viel gewonnen und schon früh alles verloren. Als der Dirigent Victor de Sabata ihn vor einem Missgeschick warnen wollte, sagte er nonchalant: «Geben Sie mir keine Ratschläge, meine Fehler kann ich selbst machen.»
Seine ersten Lire ersang er sich in Kaffeehäusern, Kinos und Kirchen. Nachdem er mit siebzehn Jahren kleinere Wettbewerbe gesungen hatte, wurde er 1940 von Luigi Montesanto, in der Uraufführung von «Il tabarro» der Sänger des Michele, als Schüler angenommen. Ein Jahr später wurde er zum Militär eingezogen. Ein Offizier, der ihn ...

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Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Retrospektive, Seite 84
von Jürgen Kesting

Vergriffen
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