The Power of Love
Ein Sturm tobt an Cornwalls Küste. Wildwüchsig schlagen die d-Moll-Wellen ans felsige Ufer, ungezügelt und mit einer Kraft, die alles wegspült. Trompeten und Hörner, Pauken und Posaunen verquicken einander mit einem satten Streicherklang zu einer fulminanten Fanfare im 6/8-Takt, die gleich zu Beginn dieser Oper eine geradezu archaische Wucht evoziert; beinahe muss man fürchten, es werde hier ein biblischer Zorn entfacht. Doch plötzlich fällt ein Lichtstrahl vom Himmel herab: eine liebliche Floskel in den Violinen.
Die aber wird sogleich wieder vom orchestralen Wind verweht und weicht einem stetig anschwellenden instrumentalen Unwetter, das sich immer stärker aufwirft, bis es schließlich in eine choralartige Apotheose inklusive Orgel mündet: «Kind of empire sound». Eine Musik voller Gewalt, Härten und zugleich voller Zärtlichkeit erklingt an diesem Abend im Opernhaus von Glyndebourne; erklingt, kaum glaublich, erstmals überhaupt (und in französischsprachiger Originalgestalt) an diesem Ort, 116 Jahre nach ihrer Vollendung.
Auch über die Schöpferin des lyrischen Musikdramas «The Wreckers» auf ein Libretto ihres Lebensabschnittsgefährten Henry Brewster (der als Amerikaner in Paris ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Inzwischen kann man die «Turandot» ruhig die «Königin der Opern» nennen. Ein Wohlfühlevent, auf das sich alle einigen können; das Stück, mit dem man bei der Jugend am ehesten frische Begeisterung fürs Genre erzeugt, eine Art Lunapark, mit einer nie unterbrochenen Ohrwurmdichte, die es auch Anfängern ermöglicht, die wichtigsten Melodien und Motive der Partitur...
Graz gilt als italienischste Stadt Österreichs und lockt mit pittoreskem Barock, einigen Perlen modernster Architektur, südlichem Flair und Lebensart. Seit 1985 zählt die alljährlich stattfindende Styriarte zu den Säulen des reichen Kulturlebens in der steiermärkischen Kapitale; prägende Figur des Festivals war lange der in Graz aufgewachsene Nikolaus Harnoncourt....
Jossi Wieler lächelte, milde, fast so, als habe er sogar ein wenig Verständnis für diese Wutbürger vorwiegend in den oberen Rängen, die sich bei der Applausordnung nach der Premiere ereiferten, um ihr geharnischtes Unverständnis über das gerade Gesehene herauszubrüllen. Grund genug für diese clemenza hatte Wieler jedenfalls, in dessen Regieboot diesmal neben seinem...
