Tanzende Fische
In einem Selbstinterview gab Glenn Gould 1972 seine Abneigung gegen Beethovens «König-Stephan-Ouvertüre» freien Lauf – «mehr oder minder von der ersten bis zur letzten Note». Die folgenden neun Nummern dieser anlässlich der Eröffnung des Deutschen Theaters in Pest am 9. Februar 1812 komponierten Schauspielmusik erwähnte der kanadische Pianist erst gar nicht. Eine der zahllosen Schrullen des kauzigen Genies? Wer weiß? Denn im gleichen Atemzug meldete Gould auch Zweifel an Beethovens «Appassionata», an der c-moll-Symphonie und an dessen Violinkonzert an.
Nun, im Falle der Ouvertüre dürfte die Meinung des Exzentrikers mehrheitsfähig sein. Wolfgang Winterhager fällt im «Beethoven Handbuch» ein noch vernichtenderes Urteil: Zu hören seien «floskelhafte, ambitionslose Versatzstücke, die weder in der motivisch-melodischen Erfindung noch in der Instrumentation noch in der Harmonik über ein Mittelmaß hinausgehen und häufig offensichtlich nur die Zeit überbrücken sollen».
Wie führt man ein solches Werk auf? Winterhager skizziert im Hinblick auf das zeitgleich mit dem «König Stephan» entstandene Schwester-Schauspiel einen Ansatz: «Einige Stücke aus Beethovens ‹Ruinen-von-Athen›-Musik […] ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Marc Zitzmann
Von den 102 Bühnenwerken, die zwischen dem Tod Jean-Baptiste Lullys 1687 und Jean-Philippe Ra -meaus spektakulärem Opernerstling «Hippolyte et Aricie» 1733 an der Pariser Académie royale de musique aufgeführt wurden, hat gerade eine Handvoll im Gedächtnis der Nachwelt überlebt. Dass die Schätze dieses Füllhorns nach und nach gehoben werden, verdanken wir dem...
Man könnte denken, diese Oper sei soeben erst in Moskau geschrieben und ins Deutsche übersetzt worden, um den in Russland stark verbreiteten Denunziationen zu entgehen. Denn der in Einsamkeit regierende Herrscher, der sich in Viktor Ullmanns «Kaiser von Atlantis» für eine Weile «zum besseren Regieren» zurückgezogen hat, das ist im Grunde Russland. Und der «Krieg...
Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und...
