Tant de bruit pour une omelette

Enrique Mazzola bürstet an der Oper Zürich mit dem famosen Johannes Martin Kränzle Donizettis «Don Pasquale» auf, Christof Loy zieht szenisch virtuos die Komik-Fäden

Opernwelt - Logo

Die drittletzte der insgesamt rund 70 Opern Gaetano Donizettis, von den Häusern um des Kassenstands willen oft gespielt und vom Publikum mit Blick auf einen launigen Opernabend heiß geliebt – «Don Pasquale» ist doch fürwahr ein einfältiges Stück. Ein Schwank mit simpler Musik, eine Operette, aber nicht so gut wie «Die Fledermaus». Doch Vorsicht, die Behauptung ist gefährlich.

Sie ist politisch inkorrekt, tischt ein überholtes Vorurteil auf; sie wird weder dem Stoff noch der Partitur gerecht, zeugt allenfalls vom Dünkel eines durch deutschsprachiges Kulturverständnis geprägten Beobachters. Doch sei’s drum. Ich gestehe, dass mir die Aussicht auf einen Abend mit «Don Pasquale» im Opernhaus Zürich mäßige Begeisterung entfachte.

Als dann der Vorhang fiel, war keineswegs alles anders. Aber ich zog den Hut vor dem Wollen und Können des Leitungsteams, des erneut ausgezeichnet besetzten Ensembles, des Orchesters der Oper Zürich und der Crew im Hintergrund. Vielleicht, begann ich zu vermuten, bin ich doch nicht ausreichend in das Stück eingedrungen. Vielleicht, gab ich mir zu bedenken, bin ich den Traditionen einer Aufführungspraxis aufgesessen, die das Werk bis zu einem gewissen Grad ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
Urtext in Hightech

Keine Zeitmaschine diesmal. Regisseur Davide Livermore hat «Tosca» weder ein Update verpasst noch ihre Handlung aus der Altstadt Roms verlegt. Die Kirche Sant’Andrea della Valle, der Palazzo Farnese, das Castel Sant’Angelo – alle in Puccinis Partitur geforderten Postkarten-Schauplätze sind da. In Bildern, die die Hightech-Bühnenmaschinerie an der Scala auf Trab...

Messerscharfes Kinderspiel

Wie das? Trägt Greta nun keinen dunkelblonden Pferdeschwanz mehr, dafür einen schwarzen Bubikopf? Nicht doch, es ist ja nicht Greta, die auf der Bühne des Luzerner Theaters erscheint, sondern Heather Engebretson, immerhin schon 29 Jahre alt und gerade mal 1,52 Meter groß. Salome in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss als eine Kind-Frau – so zeigt sie...

Weibliche Autonomie

Nicht mehr als eine Szene benötigt Yona Kim in ihrer luziden Mannheimer «Carmen»-Inszenierung, um den Zuschauer ahnen zu lassen, was von José zu halten ist – ein Don ist er nicht, wie er den Brief seiner Mutter, den ihm Micaëla gebracht hat, achtlos zu Boden fallen lässt. Das beigelegte Geld dagegen hat er genau gezählt und gierig in die Hosentasche gestopft....