Messerscharfes Kinderspiel
Wie das? Trägt Greta nun keinen dunkelblonden Pferdeschwanz mehr, dafür einen schwarzen Bubikopf? Nicht doch, es ist ja nicht Greta, die auf der Bühne des Luzerner Theaters erscheint, sondern Heather Engebretson, immerhin schon 29 Jahre alt und gerade mal 1,52 Meter groß. Salome in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss als eine Kind-Frau – so zeigt sie Herbert Fritsch, wie stets Regisseur und Bühnenbildner in einer Person.
Er tat es in gleicher Weise wie Maurice Béjart 1983 im Genfer Grand Théâtre, als der Choreograf den schneidenden Einakter mit der Sängerin und Tänzerin Julia Migenes inszenierte. Eine unvergesslich perfekte Lolita stand damals im Licht, nur verfügte sie nicht über ausreichend Stimme, weshalb die zierliche Darstellerin für ihren Monolog mit dem abgeschlagenen Kopf des Jochanaan damals auf einer Rampe über den Orchestergraben hinweg ans Publikum herangeführt wurde.
Bei Heather Engebretson in Luzern war das nicht nötig. Sie sang nicht zu leise, sondern überhaupt nicht, eine Infektion der Stimmbänder hatte sie zur Premiere verstummen lassen. An ihrer Stelle nahm Sera Gösch von der Seite aus an einem Notenpult das Vokale wahr, und sie tat das auf ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Hagmann
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und...
Ein Schuss in völliger Dunkelheit. Ein Aufschrei. Knall auf Fall sieht sich das Publikum in die Gegenwart verabschiedet, die sich prinzipiell nicht unterscheidet von dem Geschehen auf der Bühne. Auf der Place de Neuve wirkt zwar alles friedlich. Aber etwas weiter weg könnte man sich ein Theater, wie Heike Scheele es auf die Bühne des Grand Théâtre gebaut hat,...
Manchmal ist weniger mehr. Die Opéra Comique ist nicht die Pariser Nationaloper, Messagers «Fortunio» (1907) nicht «Pelléas et Mélisande», kurz zuvor am gleichen Haus uraufgeführt. Und die Sänger, die auf der Bühne stehen, sind (noch) nicht jene, deren Konterfeis auf den Soloalben der Major-Labels prangen. Doch was für ein durch und durch befriedigender, ja...
