Stummfilm im Tondgewand

Händel: Tamerlano bei den Händelfestspielen Karlsruhe

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Exakt 200 Jahre nach seiner Londonder Uraufführung 1724 ging Händels «Tamerlano» erstmals wieder über die Bühne – in Karlsruhe. Nun, bei der Eröffnungsinszenierung der Händelfestspiele, gibt Kobie van Rensburg den Gesamtkunstwerker: Er hat Raum und Kostüme entworfen, er inszeniert, und er kreiert mit Hilfe von KI-Programmen diverse Bildebenen.

Die Illusionswelten barocker Bühnen, ihre scheinperspektivischen Prospekte und magischen Maschinen sind so ins Virtuelle transferiert.

Auf der unteren Hälfte sieht man ein Studio mit Kameras für die szenischen Vorgänge, darüber eine Breitbildleinwand. Mit Hilfe des Bluescreen-Verfahrens fügt sich die Studioaktion ein in die Projektion der virtuellen Welten eines türkischen Palast-Labyrinths, das der Tatar Tamerlan vom gefangengesetzten Osmanen Bajazet erobert hat. Das Geschehen läuft mit einer schwarzweißen Stummfilmästhetik ab, ist aber zugleich ein live produzierter Operntonfilm. Das statische Korsett der Da-capo- Arien-Folge sieht sich so konsequent dramatisiert und dialogisiert, und dies gemäß den ausführlichen Rezitativen, die mehr Drama als Kontemplation liefern.

Die wuchernden Textmetaphern werden von Regisseur van Rensburg gleichsam ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Bernd Künzig

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