Stirb und werde!
Der Teufel trägt Trenchcoat, beigefarben, darunter ähnlich getönten, ziemlich edlen Zwirn, einen Anzug samt Hemd und Weste; auf der Nase sitzt eine modische Brille. Könnte, so elegant, wie ihn Kostümbildnerin Julia Rösler eingekleidet hat, durchaus ein feiner Herr sein, doch ebensogut würde der grandios spielende und extrem variabel singende Krzszytof Bączyk als BND-Agent, Oberstudienrat oder Finanzbeamter im gehobenen Dienst durchgehen. Eines aber wird rasch klar: Gutes führt der Mann wohl kaum im Schilde.
Während sich das E-Dur-Largo betulich ausbreitet und, enharmonisch verwechselt, bald nach As-Dur moduliert, mischt er sich unters Volk der himmlischen Heerscharen und versucht mit einer Dame anzubändeln, die neben ihm auf der bühnenbreiten Bank hockt. Wenig später klaubt Mefistofele aus einem leicht zerknüllten Taschentuch jenen paradiesischen Apfel, der seine Verführungskunst in Gang setzt, und beißt wonnevoll selbst erstmal hinein. Der Geist, der stets verneint und Gutes schafft, obwohl er Böses will, hier bekundet er seine wahren Absichten.
Arrigo Boito hat ihm mit seinem «Mefistofele», zu dem er höchstselbst das Libretto verfasste, ein stattliches Denkmal gesetzt. Es ist ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Es ist nur eine winzige Unachtsamkeit, scheint aber im Fall von Kurt Weill nachgerade symbolischen Charakter zu besitzen: Sein Grabstein auf dem konfessionsneutralen Friedhof Mount Repose in Rockland County, Bundesstaat New York, ziert der Choral «Bird of Passage» aus Weills letztem Bühnenwerk «Lost in the Stars» von 1949, doch eben da entdeckt man den (kaum...
Das Solo des Englischhorns tönt hier so hell, klar und schlank aus dem Graben, als wolle es das «Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande» hervorrufen. Doch keine Pastoral-Idylle einer nie geschriebenen zweiten Oper Ludwig van Beethovens wird von diesem imaginären, Schalmei blasenden Hirten im dritten Aufzug mit Klängen gemalt. Tristan identifiziert...
In Stuttgart rauscht der Sommer seinem Ende entgegen. Hoch blaut der Himmel, die Temperaturen verlieren ihre brachiale Kraft. Am Rande des Kessels, im Süden der Stadt, steht eine wahre Villa Kunterbunt. In diesem Haus aus den 1930er-Jahren wohnt Helene Schneiderman, Kammersängerin, Ehrenmitglied der Staatsoper Stuttgart, mit ihrem Mann, dem Grafiker und Künstler...
