Ein Lehrstück
Dass Mozarts «Zauberflöte» mit ihren extremen Widersprüchen der Figuren, den heftigen Kontrasten und abrupten Wechseln ihrer Handlung wie ihrer auch musikalisch hybriden Künstlichkeit nicht die Vollendung, sondern das Ende der Aufklärung bedeutet, ist das Fazit in Laurenz Lüttekens jüngst erschienenem Buch über die bei Jung und Alt populäre Oper. Für ihn stellt sie keine Utopie, gar ein weihevolles Mysterium, sondern eine Dystopie dar, die mit irritierender Direktheit enthüllt, dass die Zeit aus den Fugen geht.
Auf der Bühne ist diese Dekonstruktion nicht neu. Schon Dietrich Hilsdorf, Peter Konwitschny und andere haben hinter die schöne Idealwelt von Sarastros Priesterstaat ein großes Fragezeichen gesetzt. Magdalena Fuchsberger in ihrer Essener Neuinszenierung zielt entschieden weiter. Kompromisslos radikal verabschiedet sie das Bild vom harmlos-naiven Märchen und enthüllt ein Brecht’sches Lehrstück, nämlich wie die Welt nicht sein soll. An dessen Ende löst die Polizei die wüste Sektenorgie auf – am Premierenabend Anlass zu einem wütenden Publikumsprotest gegen das Regie-Team, dem sich die Lokalpresse genüsslich anschloss.
Pamina, Papagena, Papageno und Tamino sind ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert
Gespräch in einem Bayreuther Wirtsgarten. «Der wos do singt, der führt aa Regie», weiß eine schon betagte Dame, die sich zu einem ungefähr gleichaltrigen Paar an einen Tisch gesellt hat. Tiefen Eindruck erzielt sie mit der Aussage nicht. Die Dame ihr gegenüber schweigt, der Herr erwidert in lakonischem Bayreuther Dialekt: «Dees is mir worschd, mich wer’n die doo...
Wie kamen Sie zur klassischen Musik?
Ich erinnere mich nicht mehr, was meine Inspiration war, ich weiß nur, dass ich als Kind zwei Dinge wollte: ein Klavier und einen Hund. Beides habe ich bekommen.
Beides? Sonst ist es doch immer so, dass Eltern sagen: entweder, oder?
Ich habe beides bekommen und bin dann 17 Jahre beim Klavier geblieben. Obwohl es ein Leidensweg...
Es ist nur eine winzige Unachtsamkeit, scheint aber im Fall von Kurt Weill nachgerade symbolischen Charakter zu besitzen: Sein Grabstein auf dem konfessionsneutralen Friedhof Mount Repose in Rockland County, Bundesstaat New York, ziert der Choral «Bird of Passage» aus Weills letztem Bühnenwerk «Lost in the Stars» von 1949, doch eben da entdeckt man den (kaum...
