Staunen, von Beginn an
Über die Einteilung der Stimme in Fächer konnte sie nur lachen. Was für sie zählte, war allein die Klangrede aus innerer Notwendigkeit. Unerschöpflich schienen ihre vokalen Ressourcen, egal ob sie Gounod, Verdi,
Wagner, Strauss oder Spirituals sang. Selbst im Gespräch vermochte Jessye Norman zu elektrisieren.
Erinnerungen an eine Künstlerin, die sich leidenschaftlich für Emanzipation und gegen Rassismus im Musikbetrieb einsetzte und ihre zuletzt raren Auftritte wie ein Hochamt zelebrierte
Kein pompöser Sonnenuntergang ist das, in Technicolor und Cinemascope. Behutsam, fast zaghaft beginnt sie das Wort «Abendrot», mit einem pianissimo angesetzten G auf der ersten Silbe. Ganz subtil, nur ein wenig wird der Klang aufgezogen, eine Wölbung, ein rotsilberner Schimmer, vokal gemalt als Pastell, das viel durchscheinen lässt von dem, was sich hinter der Naturschilderung verbirgt. Es ginge ja anders, gebieterischer, Jessye Norman hat das oft genug gezeigt. Doch hier ist es nicht allein Transparenz, die zur Hör-Erfahrung wird, sondern Transzendenz: Klangrede, das begreift man in diesen kostbaren Sekunden, in dieser Phrase, in diesem einzigen gesungenen Wort – sie ist weniger Errungenschaft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2019
Rubrik: Nachruf, Seite 34
von Markus Thiel
Alte Liebe rostet nicht. Aber sie vergeht, irgendwann. Das muss auch Wotan, der Wanderer, erkennen, als er, nietzscheanisch beflügelt, Erda aufsucht, die verblühte Schönheit. Reglos, ermattet liegt sie auf jenem breiten Bett, das dereinst beider Leidenschaften diente. Aber auch der Gott ist müde geworden, nicht länger vermag er zu glauben, alle Lust wolle...
alpha
17.11. – 21.45 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Brahms: Ein Deutsches Requiem
17.11. – 21.45 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Mozarts «Requiem» und Schönbergs «Ein Überlebender aus Warschau»
arte
03.11. – 16.50 Uhr
Verdi: Messa da Requiem
Berliner Philharmoniker (2019)
ML: Muti, S: Garanča, Meli, Abdrazakov, Yeo
06.11. – 05.00 Uhr
Werke von Beethoven
Berliner...
Alle Beschränkung beglückt», vermerkte Arthur Schopenhauer. Er tat dies in Hinsicht auf seine Erkenntnistheorie, nicht auf den von Arnold Schönberg geschaffenen «Verein für musikalische Privataufführungen». Doch im geschärften Blick auf das Wesentliche mögen sich gemeinsame Glücksmomente ergeben – etwa in der musikalischen Bearbeitung, die Schönberg Gustav Mahlers...
