Sprachlos
Den Grenzbereich zwischen Wahn und Wirklichkeit habe er ausloten wollen, sagt Librettist und Regisseur Alexander Müller-Elmau. Da ist es fast schon schade, dass er zur Motivation der unter dieser Prämisse entwickelten Bühnenaktion ein konventionelles Narrativ bemüht, das, wenn auch fragmentarisch aufgebrochen, Missbrauchserfahrungen und kindliche Traumata thematisiert. Freilich wird das Thema auf der Bühne nicht vordergründig behandelt, hält sich auch der Autor fern von schnellfertigem Psychologisieren.
Es erklärt sich wahrlich nicht alles, was an diesem Abend in der Oldenburger Exerzierhalle geschieht. Anoia – so lautet der (programmatische) Name der Hauptfigur: «Ohne Denken», «ohne Verstand» – Name und Stücktitel klingen wie eine ironische Verkehrung jener ambitiösen «Metanoia», die Jens Joneleit für die Berliner Staatsoper komponierte und die 2010 uraufgeführt wurde.
Man sieht eine junge Frau in kahlem Raum, gefangen in einem Glaskasten, eingesperrt in ihre verschobene, «verrückte» Wahrnehmung, doch damit zugleich geschützt vor ihren Traumata. Die bedrängen sie in Gestalt der übrigen Personen von außen. Sie belagern diesen Kasten, diesen Schutzraum, aggressiv, erzwingen die ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Ingo Dorfmüller
Es könnte glatt eine Empfehlung von Frank Castorf sein. 2016 wird Jonathan Meese in Bayreuth den «Parsifal» – nein, sicher nicht inszenieren, aber in den ihm eigenen Kosmos eingemeinden. Meese sagt ja schon lange, dass ihn Wagners Musik anmacht, weil man bei ihr in Trance kommt. Mit einer «Parsifal»-Performance ist er bereits 2005 an der Berliner Staatsoper gewesen...
In den Medien gelte Kärnten nunmehr als «Land der Gauner und der Narren», klagte dieser Tage ein in die Politik gewechselter Journalist in einer renommierten Wiener Tageszeitung. Er spielte damit nicht nur auf die alljährlich vor allem die Stammtische erheiternde Fernsehübertragung des «Villacher Fasching» an, eine Art alpenländisches «Mainz, wie es singt und...
Was haben «Carmen» und «Don Giovanni» gemeinsam? Nichts. Wenn die jüngsten CD-Veröffentlichungen beider Opern an dieser Stelle dennoch gemeinsam gewürdigt werden, hängt das mit der Entstehung beider Produktionen zusammen. Im letzten Jahrzehnt sind neue Opern-Veröffentlichungen auf CD selten geworden, zugunsten der DVD. Meist handelt es sich (wie bei den...
