Spiegelfiguren

Wiederbelebt: Luigi Cherubinis «Les Abencérages» in der rekonstruierten Fassung von 1813

Opernwelt - Logo

Und der alte Cherubini? Das ist doch ein einziger Kerl! Ich habe da seine Abenceragen und kann nicht aufhören, mich an diesem petillanten Feuer, an den geistreichen eigenthümlichen Wendungen, an der außerordentlichen Zierlichkeit und Feinheit, mit der Alles geschrieben ist, zu erfreuen [...]. Dabei ist alles so frei und keck und so höchst lebendig». Das schreibt Felix Mendelssohn 1839 an George Onslow.

Da war Cherubinis Oper von 1813, die in Paris in ungekürztem Zustand nur 14 Aufführungen erlebt hatte und die – nie gedruckt – nach Napoleons Abdankung sehr bald verschwunden war, schon fast vergessen. 1828 hatte sie Gaspare Spontini in Berlin ein letztes Mal in einer von ihm selbst eingerichteten, im Einvernehmen mit Cherubini gekürzten Fassung aufgeführt. Davon gab es einen blassen, routiniert gemachten Klavierauszug, der allein Mendelssohns späte Begeisterung nicht hätte erklären können: Die lebendige Erinnerung an ein Meisterwerk, wie er es in Berlin mit eigenen Ohren gehört hatte, spricht aus seinem Brief. 

Aber petillant, keck, zierlich – das sind doch überraschende Adjektive für ein Werk des Grand genre. Mit ihm war Cherubini, der erfolgreiche Komponist des Théâtre Feydeau, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Klaus Heinrich Kohrs

Weitere Beiträge
Sie lächeln wieder

Diese Oper gehört allen.» So deutlich und unverblümt sagt es Myung-Whun Chung in seiner kurzen Begrüßungsrede, zu der ihn der Bürgermeister Venedigs in die prächtig dekorierten Sale Apollinee gebeten hat. Der koreanische Dirigent kommt geradewegs von der erfolgreichen «Falstaff»-Premiere, mit der die neue Saison am Teatro La Fenice eröffnet worden ist. Wie so viele...

Die Anarchie umarmen

Erl ist im November ein stiller Ort. Hotels machen Pause, die Gaststätten bleiben dunkel, auf den Wiesen rund ums Festspielhaus schauen bloß die Kühe neugierig und läuten mit ihren Halsglocken. Drinnen aber herrscht emsiger Betrieb. Das Klangforum Wien erarbeitet die Uraufführung eines Werks mit dem klangvollen Namen «Amopera» (und dem Untertitel «dystopische...

Glaube, Liebe, Hoffnung

Das Geld und die Kunst lagen in London eigentlich schon immer und fast buchstäblich nebeneinander auf der Straße. Noch heute gibt es in der Bankenstadt, der kundige Zeitgenossen den poetisch-sarkastischen Beinamen «Laundramat» angedichtet haben, verstreut über die Viertel sogenannte «Theatre Pubs», wo im Erdgeschoss Unmengen von Pints durch durstige Brexitkehlen...