Spektakeln in den Leerlauf
Ob Gott tot ist? Zumindest gibt es hübsche Einspielungen aus seiner Heimat. Kantabel ausgebreitete Fragen («T’è noto Faust?») nebst Himmels-chören, von seinem gefallenen Engel immer wieder gern abgespielt, mutmaßlich zur häretischen Ergötzung. Das Grammophon nutzt Mefistofele dafür, hier, in seiner schwarzschwülen Hölle. Dass er darauf eine Vinyl- statt der korrekten Schellack-Scheibe platziert – was soll’s, nur ein Detail.
Dafür dröhnt Münchens Nationaltheater bald im Dolby-Surround-Sound von den Dur-Eruptionen der Heerscharen, während sich Lack-Leder-Wesen um Heinrich Faust bemühen. Was für eine Bild-Klang-Explosion, so hintergründig kann es gern weitergehen.
Tut es aber nicht. Wobei die Bayerische Staatsoper wahrlich nicht an teuren Zutaten für die dortige szenische Erstaufführung von Arrigo Boitos «Mefistofele» gespart hat. Bühnenbildner Piero Vinciguerra hat Roland Schwab ein gebogenes Gerüst gebaut, das eine Spur zu verdächtig an Götz Friedrichs Berliner «Ring»-Zeittunnel erinnert. Was sich darin abspielt: Oktoberfest-Humtata vor Kettenkarussel, Taschenspielertricks mit dem Feuer, zur Walpurgisnacht geraten die Hubpodien außer Kontrolle. Heinrich wird auf einer Schicki-Party ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Das Streichersextett spielt die ersten Akkorde, da zerreißt ein Heulton den kammermusikalischen Wohlklang. Fliegeralarm, wie üblich. Die Musiker tragen ihre Geigen und Celli gelassen Richtung Bunker, der Hausdiener klappt routiniert den Deckel des Spinetts zu und wartet die Bomben ab. Wir befinden uns im Jahr 1942, zur Zeit der Uraufführung von Richard Strauss’...
Das ist keine Prahlerei, das ist ein Liebesgeständnis: Der Dirigent Michael Schønwandt kennt «Maskarade» von Carl Nielsen auswendig – und zwar «seit ich zehn Jahre alt bin», erzählte er Ende April bei dänischem Bier im Kopenhagener «Tivoli». Und wie man Nielsen im Orchester spielen muss, hat er bei der Gelegenheit auch erklärt: «Nicht zu dick. Dann klingt er wie...
Ein grauer Oktoberabend. Monteverdi. Die Toccata aus «L’Orfeo». So geht es los im Berliner Festspielhaus. Zwei Musiker aus Kinshasa spielen die berühmte Melodie. Auf einer E-Gitarre der eine, auf dem Daumenklavier, einer Likembe, der andere. Hinten, vor einer goldgelben Kettengardine, sind alle möglichen Percussion-Instrumente aufgebaut – Xylofon, Woodblocks,...
