Der Adlerblick blieb
Jeder macht sich sein Bild von Wagner. Aber welche Bilder haben wir eigentlich von ihm? Gunther Braam, im Hauptberuf Gymnasiallehrer in München, im Nebenberuf ein leidenschaftlicher Berlioz-Forscher, Ikonografie-Kenner und Herausgeber von Noteneditionen, hat sämtliche 68 von Wagner erhaltenen Fotografien zusammengetragen und in chronologischer Reihenfolge publiziert. Das Ergebnis ist kein Fotoalbum, sondern ein aufwändig gestalteter Band mit wissenschaftlichem Anspruch, in dem jahrelange Arbeit steckt.
Das Projekt wäre denn auch nach dem Rückzug eines Verlages fast gescheitert und hat jetzt bei ConBrio seine Heimat gefunden – großzügig unterstützt von zahlreichen Privatpersonen und Institutionen.
Braam beschreibt in der Einleitung Techniken und Abläufe von fotografischen Sitzungen im mittleren und späten 19. Jahrhundert (von Daguerreotypien zu Bildern auf Papier). Posen, Ateliers und Requisiten werden vorgestellt. Wir begegnen Spohr, Rossini, Meyerbeer, Gounod und anderen. Schon faszinierend, diese Nähe zu den Meistern. Der dann folgende Katalogteil lässt sich als biografischer Abriss lesen – zumindest ab 1859, jenem Jahr, in dem (in Paris) wahrscheinlich das erste Fotoporträt ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Stephan Mösch
Kleiner als im Mittelsächsischen Theater Freiberg, einem der ältesten noch bestehenden Stadttheater Deutschlands (1791), geht’s kaum. Das Puppenstubentheater in der historischen Freiberger Altstadt mit einer Bühne von 10 mal 12 Metern und einem Orchestergraben, in den gerade mal 44 Musiker passen, bietet ganzen 294 Zuschauern Platz. Trotzdem ist hier nicht...
Ein grauer Oktoberabend. Monteverdi. Die Toccata aus «L’Orfeo». So geht es los im Berliner Festspielhaus. Zwei Musiker aus Kinshasa spielen die berühmte Melodie. Auf einer E-Gitarre der eine, auf dem Daumenklavier, einer Likembe, der andere. Hinten, vor einer goldgelben Kettengardine, sind alle möglichen Percussion-Instrumente aufgebaut – Xylofon, Woodblocks,...
1956: einer der größten Skandale, die Bayreuth erlebt hat. Wieland Wagner inszenierte die «Meistersinger» ohne Nürnberg. Keine Butzenscheiben, kein Lokalkolorit, keine betulichen Bieder-Bürger, wie sie noch 1951 nach der Wiedereröffnung auf dem Grünen Hügel zu sehen waren. Der zweite Akt – nur eine sich nach hinten windende Pflasterstraße und eine große...
