Späte Ernte

Klagenfurt: Cherubini: Koukourgi

Uraufführung? Cherubini? Koukourgi? Bei Letzterem denkt man ans französische Wort für Kürbis, courge; bei Luigi Cherubini an die französische Revolution. Und liegt mit diesen Assoziationen durchaus richtig. Denn den Namen des Titelhelden erfand Librettist Honoré-Marie-Nicolas Duveyrier lautmalerisch und mit feinem Sinn für das double entendre nach einem Sprichwort seiner provenzalischer Heimat. «À la descente, les courges y vont toutes seules», geht dieses, «hinab rollen die Kürbisse von ganz alleine». Wobei einem auch die Guillotine einfallen kann.

Warum aber erst jetzt die Uraufführung dieser Opera-comique, die vermeintlich einen anderen Cherubini präsentiert als jenen, den wir etwa von seiner Rachetragödie «Medée» kennen?

Es war in den ersten Jahren der großen Revolution, als Cherubini und Duveyrier an einem Stück werkten, das deren Zustände ironisch aufs Korn zu nehmen suchte. Doch dann wurde ihnen der Boden in Paris zu heiß. Noch vor der für die Saison 1793/94 vorgesehenen Uraufführung floh Duveyrier nach Dänemark, Cherubini nach Le Havre, von wo er die Geschicke des Théâtre Feydeau, dessen musikalischer Leiter er war, brieflich zu leiten suchte. «Koukourgi» blieb unvollendet. ...

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Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Gerhard Persché

Vergriffen
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