Er war kein Opfer der Librettisten
Selbst unter den Solitären der Operngeschichte ist Beethovens «Fidelio» ein einsames Werk geblieben. Mit den drei Fassungen (1805, 1806, 1814) nimmt es einen erratisch anmutenden Platz im Schaffen Beethovens ein und wird von der Forschung doch oder gerade deswegen vernachlässigt. So ist es ein Ereignis, wenn erstmals seit fast vierzig Jahren wieder eine Monographie über «Fidelio» erscheint. Helga Lühning hat sich über vier Jahrzehnte mit der Erforschung und Edition des umfangreichen Werkkomplexes beschäftigt, als dessen beste Kennerin sie heute gilt.
1997 erschien ihre kritische Neuausgabe der Partitur der zweiten «Leonore»-Fassung. Die des «Fidelio» liegt in einer Vorab-Version vor – gedruckt wurde bisher nur der Klavierauszug. Wie Beethoven selbst in seinem vielzitierten brieflichen Stoßseufzer könnte sie sagen: «die oper erwirbt mir die Märtirerkrone.»
«Fidelio» ist die einzige Komposition unter Beethovens Hauptwerken, die er nie zum Druck gebracht und damit im Grunde nicht wirklich abgeschlossen hat. Wer sich mit ihr beschäftigt, sieht sich nicht nur drei stark voneinander abweichenden Versionen gegenüber, sondern einer schier uferlosen Quellenlage mit Skizzen, Entwürfen, ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 35
von Uwe Schweikert
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