Sonderfall
Als sich die antiken Götter und Gestalten zur Ruhe setzten oder, wie man es von prominenten Fußballern kennt, nur noch für eine kabarettistische Spätkarriere taugten, als auch Germanen und romantische Märchenfiguren ihren dramaturgischen Lebensgeist ausgehaucht hatten, da leitete das Bürgertum abermals eine neue Opern-Ära ein. Es genügte nicht mehr, für das Publikum der Stadttheater zu schreiben, jetzt mussten die Bourgeoisie selbst und die zivile Halbwelt ins Rampenlicht gerückt werden.
Paul Hindemith lieferte einige Beiträge zu dieser kleinen Revolution; der wichtigste ist seine 1929 uraufgeführte lustige Oper «Neues vom Tage». Sie steht also zeitlich zwischen Strauss’ «Intermezzo» und Bergs «Lulu», und zwar durchaus gleichberechtigt. «Neues vom Tage» behauptet sich aber auch souverän neben dem zuvor entstandenen «Cardillac»; der stilistische Reichtum ist phänomenal, reicht vom Kantatenhaften und einer Tripelfuge für drei Pianisten bis zu Koloraturarien, spätromantischem Klangzauber und pathetischen Kantilenen à la Lehár. Natürlich fehlen auch die Rhythmen des Jazz nicht. Hindemiths unschwer zu identifizierende melodische Gestaltungskraft durchdringt alle drei Akte, die vokalen ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Volker Tarnow
Noten und Töne, die schriftliche Fixierung von Musik wie ihre klingende Realität im Dialog zwischen Interpret und Hörer, sind nicht identisch. «Weder enthält Geschriebenes je alles, was Musik ausmacht», schreibt George Steiner, «noch ist sie je ‹so und nicht anders›.» Musik, das «unterbrochene Schweigen» (Steiner), ist vielmehr immer anders. Keine Aufführung...
Drei Novitäten pro Saison herauszubringen, war das Minimum, als Alexander Zemlinsky Musikdirektor des «Neuen Deutschen Theaters» (der heutigen Staatsoper) in Prag war. Novität meint: ein Stück, das noch nie zuvor am Haus gespielt worden war. Meistens war das ein Werk, das druckfrisch aus dem Verlag kam. Gerade einmal vier Monate nach der Uraufführung brachte...
Hübsch hier. Ein gepflegtes Quadrat auf gepflastertem Untergrund, mit zahlreichen Sitzbänken, riesigen Blumentöpfen, kleinen Pavillons samt Fähnchen, auf denen der Spruch «Viel Flut tut gut» zu lesen ist, mit jungen Bäumen und vielen Cafés und Gaststätten drum herum, die so poetische Namen wie «Marlene» oder «Burger & Bar – The place to B» tragen. Auch die...
