So will es der Prophet
«Von Reformen, ganz enormen, träumen wir am Bosporus»: Nein, das ist nicht das neueste Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf Recep Tayyip Erdogan, sondern die Forderung aus einem Istanbuler Damensalon des Jahres 1916. Obwohl die türkische Oberschicht in Leo Falls «Die Rose von Stambul» längst westlich denkt und empfindet, bedient man in Sachen Geschlechterverhältnis höchst widerwillig die islamischen Konventionen: Damen hinter Schleiern und Gittern, arrangierte Ehen. Braut und Bräutigam dürfen sich vor der Hochzeit nicht sehen, denn «so will es der Prophet».
Doch Konja Gül, schön, klug und stark, wehrt sich. Denn statt des ihr bestimmten Ehemanns Achmed Bey liebt sie den Schriftsteller André Lery, der für die Emanzipation der türkischen Frau kämpft. Was sie nicht weiß: Lery ist niemand anderes als Bey, der sich solche Dinge nur unter Pseudonym zu schreiben traut.
Mitten im Ersten Weltkrieg, da Österreich-Ungarn mit dem Osmanischen Reich verbündet war, geriet das Stück zum Welterfolg. Das Lehár Festival Bad Ischl macht es in diesem Jahr erneut hörbar. Dass es dort immer wieder unbekannte Operetten zu entdecken gab, ist auch ein Verdienst von Michael Lakner: Dreizehn Jahre lang war ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Michael Stallknecht
Die Bregenzer Programm-Maximen gelten wie eh und je: draußen am Bodensee vor bis zu 7000 Besuchern die massentaugliche, gleichwohl geschmackvoll-seriöse Opern-Show, drinnen im Festspielhaus die Uraufführung oder der Fund. Unter freiem Himmel wird diesmal «Turandot» wiederholt, die Puccini-Erkundung des Regisseurs und Bühnenbauers Marco Arturo Marelli, samt...
Die Wiederbelebung vergessener und vernachlässigter (Bühnen-) Werke ist seit vielen Jahren das künstlerische Markenzeichen des Festivals della Valle d’Itria. Dass im Palazzo Ducale eine Partitur erklingt, die nie zuvor zu hören war, passiert freilich selbst im auf Raritäten abonnierten Martina Franca nicht alle Tage. Doch mit Saverio Mercadantes 1831 für Madrid...
Seit 1945 spielt hier allsommerlich die Musik. Auf einem prachtvollen Landsitz, etwa 80 Kilometer nördlich von New York City. Damals luden die Eigentümer des Anwesens, der aus Berlin emigrierte Walter Rosen und seine Frau Lucy Bigelow (die übrigens einen Narren am Theremin gefressen hatte), erstmals zum Festival. Ein Musikzimmer und ein Hof in spanischer Anmutung...
