So ist es sonst nirgends
Als der Traum vom eigenen Festspielhaus Realität zu werden begann, bekamen Wagner und seine Frau Cosima ein wenig kalte Füße. «Sehr ergriffen» sei Wagner vom Bauplatz zurückgekehrt, schrieb Cosima ins Tagebuch, nachdem ihr Mann die Arbeiten am gewaltigen Fundament des Bühnengebäudes begutachtet hatte, «nun sei er verpflichtet, nun sei er nicht mehr frei, […] er könne nun nicht mehr zurück».
Cosima erwähnt für sich selbst später «ein Gefühl von Angst»: «So lange die Idealität bloß in uns lag, erschrak mich ihr Abstand von der Realität nicht, nun aber, da sie geformt vor uns ist, erschreckt mich die Kühnheit, mir erscheint dann alles wie ein Grab (Pyramiden!).»
Wie sich das Bauherren-Paar plötzlich der eigenen Verantwortung bewusst wird, der Verpflichtung, die sich aus der unerhörten Initiative ergab, fürs eigene Werk auch eine eigene Aufführungsstätte bauen zu lassen, das trägt durchaus sympathische, in jedem Fall sehr menschliche Züge. Man ist geneigt, Wagners Reaktion mit seiner Faszination für den Buddhismus in Verbindung zu bringen: Alle Materialisierung trägt zur Unfreiheit und damit zum Unglück des Menschen bei – das muss der Komponist beim Anblick des emporwachsenden ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 68
von Clemens Haustein
Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch...
Die beiden Herren, um es mal sehr vorsichtig zu sagen, mochten einander nicht. Zu unterschiedlich waren die Naturelle von Johannes Brahms und Hugo Wolf, wobei wohl niemandem entgehen konnte, dass dem Älteren von ihnen bei aller Melancholie zugleich eine hedonistische Lebenszugewandtheit eignete, während der Jüngere schon recht früh von einer Lebensmüdigkeit...
Sein bildhauerisches und malerisches Œuvre ist hinreichend gewürdigt worden – kaum ein Kunstliebhaber kommt umhin, die Fresken dieses Künstler-Genies in der Sixtinischen Kapelle und an vielen anderen (sakralen) Stätten staunend zu bewundern. Dass Michelangelo di Lodovico Buonarroti im Verlauf seines fast 90-jährigen schöpferisch schier un -erschöpflichen Lebens...
