Sinnliche Dekonstruktion
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke.
Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie «lenken, verwalten, gerade richten»; das heißt, meine Präsenz auf der Bühne muss sich nicht als letztes Glied in einer Kette manifestieren, sondern sollte vielmehr in der Form jedes einzelnen Gliedes des Operncolliers erkennbar sein. Jede meiner Arbeiten entwirft ein erarbeitetes Weltbild, jede spielt gewissermaßen in meinem Kopf, in dem Sinn, dass sie den Raum wiedergibt, in dem mein Team, das ganze Ensemble und ich uns in dem Werk gemeinsam behausen konnten. Und zu einem Werk gehört für mich eben auch dessen eigener Mythos.
Aber liegt in der Beschäftigung der Kunstform Oper mit sich selbst, die beispielsweise in Ihren Essener «Puritanern» oder in Ihrem Rigaer «Rheingold» hervortritt, nicht auch die Gefahr eines Bedeutungsverlustes?
Natürlich, solange das bloß eine ausgestellte Analyse bleibt. Sinn stiftet die Oper ja erst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wo er ist, ist Streit. Meinungsstreit. Wo Calixto Bieito arbeitet, prallen die Ansichten aufeinander. Erregt. Eifernd. Gereizt. Häufig wütend. Keiner in jüngerer Zeit, der Publikum wie Kritik so spaltet wie er. Die einen stilisieren ihn zum Messias der Musiktheater-Vergegenwärtigung. Für die anderen ist er die Inkarnation des roten Tuchs.
Daheim in Spanien steht...
Eine Ära ist zu Ende gegangen. Nach dreizehn Jahren hat Klaus Pierwoß, dienstältester Bremer Nachkriegsintendant, in diesem Sommer seine von vielen Erfolgen und überregionaler Anerkennung begleitete Tätigkeit in der Hansestadt abgeschlossen. Eine Zeit, die für den Amtsinhaber nicht ohne Anfeindungen verlaufen ist, vor allem seitens der offiziellen Bremer...
Im Herbst 1822 besuchte Gioacchino Rossini, der eben an der Wiener Oper einen nicht da gewesenen Triumph gefeiert hatte, den von ihm seit Langem bewunderten Beethoven. Bei diesem einzigen Treffen der beiden einflussreichsten Komponisten ihrer Zeit gab Beethoven dem italienischen Maestro den später oft ihm nachgesprochenen Rat: «Ihr seid der Autor des ‹Barbier von...
