Sinn für Tragik
Hier und heute: Damiano Michieletto und sein Team – Paolo Fantin (Bühne), Agostino Cavalca (Kostüme) und rocafilm (das für die Videos verantwortliche Künstlerduo Roland Horvath und Carmen Zimmermann) – schließen Donizettis Dramma buffo an die Gegenwart an: Don Pasquale erfährt vom Ehevertrag der angeblich im Kloster aufgewachsenen Sofronia (hinter der sich die junge Witwe Norina verbirgt), als er heimlich deren Handy-Nachrichten durchstöbert. Sein Anwesen sieht anfänglich recht heruntergekommen aus.
Später wird Sofronia/Norina das Haus aufpolieren, sogar die Türen austauschen lassen. Dass sich hinter aller vordergründigen Betriebsamkeit dunkle Untertöne verbergen, lässt der Regisseur immer wieder durchblicken – etwa wenn Ernesto, unter tätiger Beihilfe der einzigen Hausangestellten seines Onkels, dessen Auto mutwillig beschädigt – eine von vielen Szenen, in denen die Figur der ältlichen Dienerin – stumm verkörpert von der Schauspielerin Jane Evers – ihren singenden Kollegen auf der Bühne die Show stiehlt. Ein düsteres, nachgerade erbärmliches Bild zeichnet auch die Schlussszene mit einem klapprigen Titelhelden, der im Rollstuhl kauert, die Karikatur eines von der jüngeren ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von George Hall
Einer der Erfolgssongs der Pop-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung provozierte mit dem Refrain: «Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.» Ein erfüllbarer Wunsch, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Auch Titus Flavius Vespasianus (39-81) war nicht jener Gutmensch, als der er in Mozarts letzter Oper beworben wird. So ließ er Jerusalems Tempel...
Arme Effi. Wie Theodor Fontane das Schicksal des Mädchens aus dem Havelland in seinem perfekt temperierten Roman beschreibt, geht noch immer unter die Haut. Die ins Korsett erstarrter Gesellschaftsregeln gezwängte Lebensfreude. Das naiv-provinzielle Aufsteigersehnen nach einem Leben in der Berliner Noblesse. Die innere Vereinsamung unter dem Regiment eines Gatten,...
Die Bitte ist bündig, und sie ist unverhohlen drastisch: «Satan, herbei!», so prangt es auf dem winddurchtosten Banner vor dem Theater, und so steht es auch auf der Umschlagseite des Programmheftes zu Gounods «Faust». Verwundern darf dies nicht angesichts des maladen Zustands, in dem sich der tragische Titelheld anfangs befindet. Am Tropf hängt Doktor Faust, die...
