Sinn für Tragik
Hier und heute: Damiano Michieletto und sein Team – Paolo Fantin (Bühne), Agostino Cavalca (Kostüme) und rocafilm (das für die Videos verantwortliche Künstlerduo Roland Horvath und Carmen Zimmermann) – schließen Donizettis Dramma buffo an die Gegenwart an: Don Pasquale erfährt vom Ehevertrag der angeblich im Kloster aufgewachsenen Sofronia (hinter der sich die junge Witwe Norina verbirgt), als er heimlich deren Handy-Nachrichten durchstöbert. Sein Anwesen sieht anfänglich recht heruntergekommen aus.
Später wird Sofronia/Norina das Haus aufpolieren, sogar die Türen austauschen lassen. Dass sich hinter aller vordergründigen Betriebsamkeit dunkle Untertöne verbergen, lässt der Regisseur immer wieder durchblicken – etwa wenn Ernesto, unter tätiger Beihilfe der einzigen Hausangestellten seines Onkels, dessen Auto mutwillig beschädigt – eine von vielen Szenen, in denen die Figur der ältlichen Dienerin – stumm verkörpert von der Schauspielerin Jane Evers – ihren singenden Kollegen auf der Bühne die Show stiehlt. Ein düsteres, nachgerade erbärmliches Bild zeichnet auch die Schlussszene mit einem klapprigen Titelhelden, der im Rollstuhl kauert, die Karikatur eines von der jüngeren ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von George Hall
Man fühlt sich in den pastoralen Chor- und Chanson-Sätzen an die schöne Schlichtheit Glucks, in den Arien an die Seelentiefe und den Buffo-Geist Mozarts erinnert. Man genießt die tänzerische Champagnerspritzigkeit und die effektpralle Kontrastdynamik der französischen Barockoper, dazu die tollen Terzette, die lustvolle Lautmalerei. Und doch kommt uns kaum eine Note...
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
Was für ein verrückter Abend! Unbotmäßig und aberwitzig ist er, irritierend, inspirierend, intrikat, frech, voller Fantasie, Furor und Finesse. Kurz: ein Abend wie ein Rausch, der vorüberfliegt. Oder auch wie die Reise durch eine Matrix, aus der es definitiv kein Entrinnen gibt.
Gespielt, getanzt (und gerannt) wird Mozarts «Don Giovanni». Aber dieser...
