Fahr zur Hölle, Liebling!
Was für ein verrückter Abend! Unbotmäßig und aberwitzig ist er, irritierend, inspirierend, intrikat, frech, voller Fantasie, Furor und Finesse. Kurz: ein Abend wie ein Rausch, der vorüberfliegt. Oder auch wie die Reise durch eine Matrix, aus der es definitiv kein Entrinnen gibt.
Gespielt, getanzt (und gerannt) wird Mozarts «Don Giovanni». Aber dieser Gefühlsvergifter hat seinen Adelstitel eingebüßt: «Giovanni.
Eine Passion» nennt sich die Produktion an der kleinen Neuköllner Oper zu Berlin, in Szene gesetzt von Ulrike Schwab, musikalisch einstudiert von Juri de Marco und Anna-Sophie Brüning, mit Sängern und Instrumentalisten, die aber weit mehr sind. Sie sind die Protagonisten einer dekonstruktivistischen, theatralisch überwältigenden Übung in menschlicher Leidenschaft und in menschlichem Leiden.
Passion meint ja beides. Leiden und Leidenschaft, je nachdem. Ulrike Schwab, die Gesangssolisten und die rund 20 Musiker des STEGREIF.orchesters vermählen beide Begriffe. Immer wohnt die Leidenschaft im Leiden, das Leiden in der Leidenschaft. Beides ist nicht voneinander zu trennen. Wie auch das Leben nicht vom Tod zu trennen ist. Das Eine bedingt das Andere. Und das von Anfang an.
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Alle zwei Jahre wandelt sich das beschauliche Gütersloh zur Hauptstadt der jungen Gesangskunst. Jeweils im Oktober entscheidet sich in der westfälischen Kommune, Hauptsitz des Medienhauses Bertelsmann, mit wem man künftig auf den Bühnen der Welt rechnen muss. Dann finden in der Stadthalle die Endrunden des Wettbewerbs «Neue Stimmen» statt. Er zählt zu den...
Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson)....
Für 16 Musiker des Bonner Beethoven Orchesters schien es eine gewöhnliche Dienstreise zu werden, als sie im April zusammen mit ihrem Chef, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in die kolumbianische Stadt Medellín flogen. Doch es wurde eine Reise tief in die Vergangenheit und Gegenwart einer Metropole, die von extremer Gewalt heimgesucht wird, zu den gefährlichsten...
