Sieben Fragen an Sarah Nemtsov
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ob ich geweint habe, weiß ich nicht mehr, aber tief beeindruckt, erschüttert hat mich Chaya Czernowins «Infinite now» 2017 am Nationaltheater Mannheim. Sehr bewegt hat mich auch Halévys «La Juive» in der Regie von Lydia Steier (Staatsoper Hannover 2019).
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In der Wüste – zum Beispiel in der Mojave Desert in Kalifornien auf dem Weg zum Death Valley.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Sich nicht so wichtig nehmen, Geduld, Humor und Empathie.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Ganz subjektiv meine ich, dass Überschätzung schon strukturell in der Musik Wagners liegt und in dem Kult um ihn (und seine Opern), wenngleich diese dadurch Recht bekommt.
Welche Oper halten Sie für unterschätzt?
Die Oper des 21. Jahrhunderts. Einige ihrer Vorläufer würde ich gerne häufiger hören, etwa Nonos «Prometeo».
Woran arbeiten Sie gerade?
Im Juni habe ich meine neueste Oper «OPHELIA» beendet (UA am 13. Mai 2023 am Saarländischen Staatstheater) und beginne gleich die nächste, dystopische Oper «WIR» nach dem gleichnamigen Roman von Jewgeni Samjatin (UA im März 2024, Theater Dortmund).
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Susanne Westenfelder
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Es war Sommer in Bayreuth, es war heiß, und man wusste: Die sechsstündige «Götterdämmerung» würde wohl doch eher eine Menschendämmerung sein, oder besser: eine Menschenkörpererwei- chung durch fortwährende Schweißausbrüche. Inhaberinnen und Inhaber eines gut funktionierenden Deos mochten im Vorteil sein, ihre Ausdünstungen würden sich als weniger schlimm erweisen...
