Seufzer und Wachsblumen
Es gibt, wie man weiß, die unterschiedlichsten Seufzer. Jene leichten, sehnsuchtsvollen, die «Schlittschuh auf nächtlichem Eis» laufen, wie Christian Morgenstern dies suggeriert. Jene anderen, tief befriedigenden. Und dann auch jene, die sich der Brust schwer entringen, weil sie einen Einschnitt bedeuten, eine Wende im Leben. Ottavia nimmt in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» auf diese Weise Abschied von Rom. Nikolaus Harnoncourt wollte dies nie gesungen haben, sondern gestammelt, fast erstarrt – als Ausdruck der Unfähigkeit, das Wort «addio» über die Lippen zu bringen.
In ihrem neuen Monteverdi-Album singt Magdalena Kozená das zwar, doch mit einem Ausdruck, der dem Hörer die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Interessant ist, dass sie sich in Dynamik und Agogik ansonsten sehr genau an die Vorgaben des Dirigenten beim Zürcher Monteverdi-Zyklus zu halten scheint.
«L’incoronazione di Poppea» bei den Wiener Festwochen 2000 bedeutete ja auch den internationalen Durchbruch für Magdalena Koze-ná – sie sprang für Anne Sofie von Otter ein, nicht als Ottavia freilich, sondern als Nerone, und unter Marc Minkowski. So ist dieses Monteverdi-Album so etwas wie eine Heimkehr der ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
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