Selbstüberschätzung und Unterwürfigkeit

Vater von was? Ein missglücktes Plädoyer für den französischen Komponisten Hervé

Opernwelt - Logo

Hervé, mit bürgerlichem Namen Florimond Ronger, ist allenfalls Spezialisten der französischen Operette bekannt. Obwohl er schon 1847, sechs Jahre vor Offenbach, mit neuen Konzepten des komischen Musiktheaters experimentierte, hatten seine «mehrfach überdrehten» (Volker Klotz), bisweilen auch vulgären Grotesken auf Dauer keine Chance gegen die vielleicht weniger anarchistischen, auf jeden Fall aber präziser durchgestalteten Werke des aus Köln zugewanderten Konkurrenten.

Pascal Blanchet, der Herausgeber dieses ersten Buchs über Hervé seit 1994, hält sich nicht mit irgendwelchen qualitativen Überlegungen auf, sondern verbeißt sich in seiner «Introduction» in die Frage, welche älteren Autoren Hervés Rolle als «Vater der Operette» anerkannt hätten. Seiner Absicht einer Rehabilitierung des kaum bekannten Theatermachers erweist er damit einen Bärendienst.

Denn wer eine erste Orientierung sucht, findet in der Anthologie von 33 Texten (bisher unveröffentlichte Briefe, Dokumente, aber auch mäßig witzige Ausschnitte aus Operettentexten) zu wenig, um die charakteristischen Qualitäten von Hervés Musiktheater erfassen zu können. Spezialisten hingegen ärgern sich über das Fehlen genauer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Strichmännchen, Strichfräulein

Im Vorwort zum Libretto von «Le nozze di Figaro» bemerkt Lorenzo da Ponte, sein und Mozarts Ziel sei, «eine fast neue Art des Schauspiels» zu schaffen. Aus diesem Vorsatz scheint auch Stefan Herheim seine Inszenierung für die Hamburger Staatsoper entwickelt zu haben. Bühnenbildner Christoph Hetzer staffiert dafür Decke und Wände mit 1500 Faksimile-Seiten der Oper...

The struggle goes on

Philip Glass und sein Librettist Christopher Hampton haben ihre 2007 in San Francisco uraufgeführte Oper «Appomattox» überarbeitet. Oder sollten wir besser sagen: aktualisiert? Das Thema des Stücks, Rassismus in Nordamerika, ist leider alles andere als erledigt. Mit den jüngsten Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze ist die Diskussion um Bürgerechte wieder voll...

Konfetti tut nicht weh

Im November war ich mit der Schule in der Oper und habe mir «Schneewittchen und die 77 Zwerge» angeschaut. Da sind manche Sachen anders als in dem bekannten Märchen: Es gibt nicht 7, sondern 77 Zwerge, die vom Kinderchor der Komischen Oper gespielt werden. Sie haben Kapuzenpullover mit Zipfeln an, einige können sogar auf Händen laufen oder ein Rad schlagen....