Kult klingt anders

Die Tage Alter Musik in Herne verschenken Bononcinis «Camilla»

Opernwelt - Logo

«Kult» war das Thema der 40. Tage Alter Musik in Herne im November, zum Abschluss gab es einen italo-eng­lischen Opernhit: Giovanni Bononcinis 1696 für Neapel geschriebene Oper ­«Il trionfo di Camilla regina de Volsci». Nicola Haym bearbeitete sie 1706 für London und brachte sie dort – als erste italienische Oper überhaupt in England – zur Aufführung, Kräftig gekürzt, mit englischem Text und neuen Rezitativen in einem arioseren Stil, überdies mit zwei Tenören statt Soprankastraten in den Liebhaberrollen.

Das Stück mit seinem krausen Plot um die antike Volsker-Königin Camilla und ihren Rivalen Latinus und der Botschaft «Make love, not war» wurde ein Sensationserfolg – und bis 1728 in London 111-mal gespielt, öfter als jede spätere Händel-Oper.

Dass den Engländern die Musik gefiel, ist leicht nachzuvollziehen. Bononcini hatte lyrisch schmeichelnde, aber auch virtuos funkelnde Melodien erfunden, wusste abwechslungsreich zu instrumentieren, benutzte schon Da-Capo-Arien, behandelte die oft kurzen Soli aber insgesamt recht frei. Und natürlich mischte er ein komisch-korruptes Dienerpaar, dem auch die beiden einzigen Duette zufallen, unter die hohen Standespersonen. Dass das Ganze in Herne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Editorial

Der Tod war schon dem jungen Mann auf den Fersen. Dem lebenshungrigen, neugierigen, lässigen Theaterwunderkind, das gerade in München mit einer Inszenierung von Edward Bonds «Die See» Furore gemacht hatte. Mitte zwanzig war Luc Bondy, als er die erste Krebsdiagnose bekam. Damals konnte er den Kampf mit der Krankheit für sich entscheiden, mit Medikamenten,...

Mein Schubert?

Nichts, was meinem Schubert ähnlich sieht», beschwerte sich der Dichter Hoffmann von Fallersleben, als er dem Komponisten in einem Grinzinger Heurigenlokal begegnete und dieser scheu und wortkarg geblieben war. Vielleicht hatte Schubert gerade einen «grantigen» Tag – auch Genies sind davor nicht gefeit. Auf jeden Fall reagierte Hoffmann in seiner Enttäuschung nicht...

'n kleenes Stückchen Glück

Mit diesem Stück fing alles an: «My Fair Lady» war der erste echte Musical-Erfolg in Deutschland. Eine Kulturnation, die traditionell zwischen der «ernsten», also der wertvollen, und der «unterhaltsamen», also zweitklassigen, Kunst unterscheidet, musste fast zwangsläufig mit dem aus Übersee importierten Genre fremdeln. Doch Frederick Loewes Stück spielt in...